Schwindeln – im Sinne von Schwindel – ist vom mittelhoch- deutschen „swinden“ abgeleitet. Swinden bedeutet abnehmen, vergehen, abmagern, bewusstlos werden. Das Schwinden der Sinne, des Körpers oder Bewusstseins ist gemeint. Ab dem 9. Jahrhundert taucht das Wort „verswinden“ auf und umfasst unsichtbar, vergehen, unwirklich werden – sterben.

Schwindel verstanden als Täuschung oder Betrug bürgerte sich erst ab dem 16. Jahrhundert ein. Es wurde zuerst angewendet für „abenteuerliche Versprechungen machen“ (der Schwindler, der unglaubwürdige Geschichten erzählt). Aus der Bedeutung „unbesonnenes Handeln“ im 16. Jahrhundert wurde im 18. Jahrhundert „unlauteres Handeln“. Interessant ist, dass sich der Begriff Schwindel erst mit der Verbreitung von Papiergeld etablierte.

Trotz der unterschiedlichen Bedeutung des Begriffs ist ein gemeinsamer Nenner erkennbar: die sinnliche Wahrnehmung.  „Sehen und Blick standen auch im Zentrum der grossen abendländischen Debatten über die Fragen der kollektiven Wahrnehmung von Wirklichkeit. Das galt nicht nur für die Entwicklung des Papiergeldes. Es galt auch für den Bilderstreit des frühen Mittelalters und die Debatten um die Transsubstantiationslehre im 13. Jahrhundert, bei der es um die Frage ging, ob Hostie und Wein nur ein Symbol sind oder den realen Leib und das wirkliche Blut des Herrn darstellen“ (Christina von Braun, „Versuch über den Schwindel“).

Parallel zur Bedeutung der Täuschung erhielt der Schwindel im 18. Jahrhundert einen weiteren Sinn:  Der Erregungstaumel oder Taumel der Begeisterung, der eine Masse ergreift“ oder bezogen auf das Ich, das im süssen Schwindel mit der Seele des anderen verschmilzt (Liebestaumel).

„Mit der Aufklärung erhält das Symptom des Schwindels zunehmend die Konnotation eines lustvollen Verzichts auf Selbstbestimmung“ (Christina von Braun).

Dem Zustand des Taumels widmet sich die folgende  Fotoreihe.

.

srteet1

street9

street3

street10

street11

street2

street6

street4

 

 

Rotation, Katapult, Hyperaufmerksamkeit, Desorientierung, Tempo, Delirium, Trance, Sound, Serialität, Ekstase, Hypnose, Rausch, Beschleunigung, Kontrollverlust, Bulimie…

Eskapismus und Integration gleichermassen…

Begrenzung, Depersonalisation, Anorexie, Ritalin, Kontrollzwang.

In der Erregungsgesellschaft ist der Taumel zum meist angestrebten Zustand geworden.

.

Advertisements