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Februar 2012

Frauen streichen

Aschermittwoch in Splügen, Graubünden. Nichts ahnend komme ich Skitourist von der Piste, als mir schwarz bemalte Kinder entgegen spazieren. Mitten im Dorf dann: in Felle gekleidete junge Männer jagen mit Schellen lärmend den jungen Frauen des Dorfes nach.

Die Männer ringen die Frauen zu Boden und streichen deren Gesichter mit einer schwarzen Paste aus Schuhcrème, Öl und Kohle ein. Bis Sonnenuntergang müssen alle unverheirateten Damen „pschuuret“ sein (Pschuuri ist Valser-Dialekt und lässt sich mit Schwärzung übersetzen). Danach ziehen die Männer und Frauen gemeinsam durch das Dorf und schnorren an den Haustüren Eier, die sie zu Speisen und mit Wein gemischten Cocktails verarbeiten. Schliesslich wird gefeiert bis zum Morgen.

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Die Pschuuri Fasnacht – ein derbes, gar grobes Vergnügen.

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Das scheint nur noch wenig mit traditionellen, katholischen Buss- und Vergänglichkeits-Ritualen an Aschermittwoch gemein zu haben („Gedenke, o Mensch, du bist Staub, und zum Staube kehrest du zurück.“ Psalm 90,3). Kaum jemand wird bis Ostern fasten. Trotzdem ist dieser Brauch für viele hier der gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres. Auch von Splügen Weggezogene kommen ins Dorf zurück, um mit ihren Bekannten zu festen.

Irritiert hat mich, wie rau die Männer zupacken und die Frauen „in ihre Gewalt bringen“, sich auf sie setzen und nicht los lassen, bis das Gesicht „gstriche“ ist. Die Damen scheinen sich grösstenteils zu amüsieren, selbst wenn sie unter den „Pschuurirolli“ in Strassenpfützen liegen und auch die Haare mit einer zünftigen Ladung Paste eingeschmiert werden – und überholte Geschlechter-Stereotypen wieder aufleben.

Ein Fasnachts-Anlass als Umkehrritual, welches die traditionelle Ordnung bestätigt? Inszenierte Folklore? Ein touristischer Magnet wie Silvesterkläuse oder Basler Fasnacht? Jedenfalls verbindet die lang gehegte Tradition die jungen Einheimischen. Und auch die Feriengäste können sich zuschauend amüsieren, wundern und ein wenig schaudern. Ein lokales Spektakel zwischen Totenkult, Flirt und Volksfest.

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Zeichnen ist Sehen

Seit Urzeiten versuchen Menschen ihre Umwelt, ihre Wünsche und Erfahrungen abzubilden und damit sichtbar zu machen. Sie tun dies anfangs aus Dankbarkeit, Verehrung, zur Huldigung oder  – so wie heute – auch zur Selbstvergewisserung oder Selbstdarstellung.

In Zeiten millionenfach erzeugter digitaler Serienbilder scheint es mir besonders reizvoll, mich wieder der Langsamkeit der zeichnerischen Darstellung zu vergewissern. Zeichnen ist Sehen. Es wird verständlich, „dass Wahrnehmen kein Vorgang passiven Registrierens, sondern aktiven Verstehens ist und dass dieses Verstehen erst durch die Schaffung bestimmbarer Formen möglich wird“ (Rudolf Arnheim, „Die umgekehrte Perspektive und das Axiom des Realismus“).

Hier einige Arbeiten aus meiner alten Zeichnungsmappe. Die zwischen die Zeichnungen gesetzten Quotes stammen von Alberto Giacometti, zitiert aus dem Buch „Alberto Giacometti – Ein Portrait“ von James Lord.

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Cloud Working

Anwendungen wie Facebook sind erst der Anfang!

IBM soll eine Art „Ebay für Arbeitskräfte“ planen. MitarbeiterInnen müssten sich in der „Cloud“ anbieten und würden nur noch Projekt bezogen angeheuert. Die Arbeitsleistung würde mit einer Art „Gefällt mir“ Button qualifiziert. Allmählich ergäbe sich ein gigantischer, globaler Stellenmarkt – inklusive permanent aktualisierten Leistungs-Profilen. Der Konzern will weltweit aus den besten Spezialisten auswählen können. Zu Konditionen, die das Unternehmen in „globalisierten Arbeitsverträgen“ festlegt – ohne sich an landesspezifische Arbeitsbestimmungen oder Gesetze halten zu müssen.

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Soap-Splatter Ryan Trecartins

„I cry for you – not because I care, but because I’m emotional“

Ein Mädchen hält einen geschminkten Mann im Schrank versteckt, während nackte Musiker im Keller ihre Instrumente wild und wirr durcheinander spielen? Ein schreiendes Baby in der Duschkabine, ein Wohnmobil voller Blondinen – alles Männer – mit hochgepitchten Stimmen? Dazu verschmierte Make Ups, willkürlich überlagerte Bildsequenzen, Typo, Animationen, Beats, Blut… und alles sehr bunt?. Weiterlesen „Soap-Splatter Ryan Trecartins“

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