Anwendungen wie Facebook sind erst der Anfang!

IBM soll eine Art „Ebay für Arbeitskräfte“ planen. MitarbeiterInnen müssten sich in der „Cloud“ anbieten und würden nur noch Projekt bezogen angeheuert. Die Arbeitsleistung würde mit einer Art „Gefällt mir“ Button qualifiziert. Allmählich ergäbe sich ein gigantischer, globaler Stellenmarkt – inklusive permanent aktualisierten Leistungs-Profilen. Der Konzern will weltweit aus den besten Spezialisten auswählen können. Zu Konditionen, die das Unternehmen in „globalisierten Arbeitsverträgen“ festlegt – ohne sich an landesspezifische Arbeitsbestimmungen oder Gesetze halten zu müssen.

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Rund 40 % der Jobs möchte der Konzern so einsparen und durch Zeit-Arbeitsverträge ersetzen. Die Personalkosten würden erheblich sinken. Die Solidarität auch. Die Solidarität unter den Angestellten als auch gegenüber dem Unternehmen und umgekehrt. Das „Beschäftigungsmodell der Zukunft“ fordert Wettbewerb und Leistungsbereitschaft rund um die Uhr..

Internet-Aficionados schwärmen schon länger von solchen Modellen. Mitarbeiter werden zu permanenten Repräsentanten ihre Arbeitgeber deklariert. Oder zu Botschaftern ihrer selbst – zumindest der eigenen, verwertbaren Produktivität. Wenn „Privat gleich Geschäft“ oder „Offline gleich Online“ ist, verschwinden Abgrenzungs-Parameter.  Autonomie müsste neu gedacht und definiert werden.

Langsam verdichtet sich in mir der Verdacht – ich möchte das etwas zugespitzt formulieren  – Leibeigentum wird wieder „in“ im 21. Jahrhundert.

Übrigens sollen Firmen aus aller Welt ebenfalls via „virtuelle Kioske“ Zugriff zum frei schwebenden Personal erhalten. So etwas wie Pensionierung wird dann wohl auch hinfällig. Arbeitsrechtliche Errungenschaften Ade – aber total!

Der Artikel bei Spiegel Online  (ausführlicher im „Spiegel“ vom 6.2.2012 ab Seite 62)

Nachricht in der „NZZ“ vom 9.2.2012: „IBM zieht Hauptsitz von Zürich ab“. Der Hauptsitz Nordosteuropa werde von Zürich nach Madrid verlegt und damit eine europaweite Management-Organisation geschaffen. Entlassungen seien keine geplant, „weil das Unternehmen ortsunabhängige, virtuelle Arbeitsmodelle kenne.“

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