Über 3000 Mal bin ich diese Strecke entlang den Bewässerungskanälen gefahren, passierte den Bahnübergang neben dem alten Haus mit dem wilden Garten, kam aus der Sonne in den Nebel zu den neuen glänzenden Hochhäusern in der Stadt. Die halbe Stunde Bahnfahrt ist zugleich Erholungs- und Erlebniszone. Das kleine Pendlerglück.

Es ist das Glück jener, die sich in Lektüre vertiefen, mit Weggefährten plaudern oder den Blick aus dem Fenster zu den vorbei ziehenden Bilder schweifen lassen.

Es ist dieser Blick aus dem Fenster, den ich immer wieder mit der Kamera fest halte – seit über 40 Jahren.


[youtube http://www.youtube.com/watch?v=Hae18ccRJdo]

.Das Zeitbild – „visuell erfasste Ontologie“ (*)

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Zeitbild? Bewegungsbild? Gilles Deleuze oder Henri Bergson habe ich nicht verstanden, werde es aber weiterhin versuchen. „Durch die Bewegung teilt sich das Ganze in die Objekte, vereinigen sich die Objekte im Ganzen, und genau zwischen den beiden verändert sich alles.“ (Gilles Deleuze, „Das Bewegungsbild Kino1“).

Noch lieber aber filme ich weitere 40 Jahre meine Ausblick-Fahrten. „Mit der geschärften Witterung des Grossstädters durchschreite ich den Trubel, während das Hirn leicht und präzis die Überfülle wechselnder Bilder zerschrotet“ (Ernst Jünger).

Statt sie zu zermalmen werde ich die Bilder  zu Sequenzen montieren. Nachdenken in Bildern.

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Aufnahmen: Sardinien, Kos, Genua, Russikon, Wil SG, Seedamm, Mailand, Cinque Terre, Venedig, Walenstadt….

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