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Juni 2012

Welche Schweiz wollt ihr?

„pee_emm“ twittert am 25. Juni 2012: „Unglaublich wie sich Links und Rechts auf Twitter die ganze Zeit ineinander verbeissen… Geht das sonst noch jemandem auf den Sack?“ Davor wurde der Tweet eines gewissen „DailyTalk“ – SVP-Mitglied und immerhin Schulpfleger vom Zürichberg – herumgereicht, in dem dieser mutmasst „Vielleicht brauchen wir wieder eine Kristallnacht… diesmal für Moscheen“ (NZZ). So pietätlos der Auslöser, so heftig entfaltete sich der folgende Disput bei Twitter.

Einen Tag später ist „DailyTalk“ (zumindest vorübergehend) verstummt. Der Schreiber, der sonst im Minutentakt seine Weltsicht hinaus twittert, hat sich zurückgezogen. Das Geraune in Social-Media-Gemeinden ist jedoch nach wie vor virulent. Und ich stimme mit „pee_emm“ überein: es nervt! So sehr ich Hinweise, interessante Links und den Austausch von Ideen und Gedanken schätze – so redundant verkommt das dann doch zum sonst schon bis zum Überdruss verbreiteten, belanglosen Geschnatter.

Höchste Zeit also, Social Media Plattformen für ein bis zwei Tage zu meiden.

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Krise? Welche Krise?!

Die junge Frau im dunklen Hosenanzug wirkt etwas reserviert. Sie erzählt mir aus ihrem Leben. Sie ist in der Gegend aufgewachsen, fährt gern Ski und besitzt ein eigenes Haus. Und ich? Auch von mir will sie etwas erfahren… schliesslich möchte sie Partnerin in all meinen Lebensphasen sein.

Die Kundenberaterin freut sich, mich kennen zu lernen. Ich bin eingeladen, meine Anlagestrategie und Hypotheken-Erneuerung zu diskutieren. Seit 15 Jahren stehe ich in der Schuld dieser Bank. Damals erbte ich ein Haus, das mit einer Hypothek belastet ist. Ich bin privilegiert, gehöre wahrscheinlich zu den 20% der reichsten Erdbewohner.

Unter den 20% wohlhabender Erdbewohner sind die Privilegierten der Privilegierten – die Superreichen: „Im Jahr 1998 verfügten die 350 reichsten Menschen des Planeten über ein Vermögen, das höher war als die addierten Jahreseinkommen von mehr als der Hälfte der Weltbevölkerung.“ (Jeremy Rafkin, „Das Verschwinden des Eigentums“). 10% der Weltbevölkerung besitzen 85 % der Vermögen. Die Vermögens-Pyramide ist flach. Sehr sehr flach. Die Spitze wird immer kleiner, die Kluft umso grösser.

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Frühlingserwachen

November. Verschleiert.  „Seit Tagen ein unaufhörlicher Regen. Tiefe und trockene Traurigkeit.“ (*) Am liebsten hätte er die ganze Zeit  im Lehnstuhl verbracht, die Füsse nah beim glimmenden Ofenfeuer. Dösend. Bis der Rücken wieder zieht und das Hin- und Herdrehen die Verspannungen nicht mehr löst. Dezember. Ein paar Schritte dann. Auch um frischen Kaffee oder Tee aufzugiessen, um Holz nachzulegen oder im Bücherregal nach einem Band zu suchen.

Januar. Er kennt das seit Jahrzehnten, hat sich eingerichtet in seinem Winterschlaf. Von Jahr zu Jahr dauert das Erwachen länger. Es ist behaglich und passt sehr gut zu ihm, so wie er lebt. Februar.  „Alles, was mich – in mir und in den Menschen – hinabzieht.“ (*) Von Jahr zu Jahr dauert das Erwachen länger. März. 

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Frühlingsblüten und Sommergesichter  (*)

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Diesmal trug der Pflaumenbaum schon kleine, weisse Blüten. April. Der Mann stand am weiten Küchenfenster und bemerkte den Baum erst, als er nicht mehr zum Nachbarhaus hinüber sehen konnte. Mit dem Licht und der Wärme füllt sich die Welt vor seinem Fenster mit Leben. „Die weisse Rose des Morgens riecht nach Wasser und Pfeffer“. (*) Mai. Die Katze sitzt nicht mehr auf dem Sims, wartend, bis er ihr das Fenster öffnet. Sie kommt und geht durch die geöffnete Terrassentür. Der Ofen ist seit Wochen kalt.

Juni. Manchmal denkt er, dies wird sein letzter Sommer sein.

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(*)  aus „Tagebuch März 1951 – Dezember 1959“ von Albert Camus

(*)  Streetparade 1999 und Bäume im Garten, Frühling 2012. Video: cuirhomme

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