November. Verschleiert.  „Seit Tagen ein unaufhörlicher Regen. Tiefe und trockene Traurigkeit.“ (*) Am liebsten hätte er die ganze Zeit  im Lehnstuhl verbracht, die Füsse nah beim glimmenden Ofenfeuer. Dösend. Bis der Rücken wieder zieht und das Hin- und Herdrehen die Verspannungen nicht mehr löst. Dezember. Ein paar Schritte dann. Auch um frischen Kaffee oder Tee aufzugiessen, um Holz nachzulegen oder im Bücherregal nach einem Band zu suchen.

Januar. Er kennt das seit Jahrzehnten, hat sich eingerichtet in seinem Winterschlaf. Von Jahr zu Jahr dauert das Erwachen länger. Es ist behaglich und passt sehr gut zu ihm, so wie er lebt. Februar.  „Alles, was mich – in mir und in den Menschen – hinabzieht.“ (*) Von Jahr zu Jahr dauert das Erwachen länger. März. 

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Frühlingsblüten und Sommergesichter  (*)

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Diesmal trug der Pflaumenbaum schon kleine, weisse Blüten. April. Der Mann stand am weiten Küchenfenster und bemerkte den Baum erst, als er nicht mehr zum Nachbarhaus hinüber sehen konnte. Mit dem Licht und der Wärme füllt sich die Welt vor seinem Fenster mit Leben. „Die weisse Rose des Morgens riecht nach Wasser und Pfeffer“. (*) Mai. Die Katze sitzt nicht mehr auf dem Sims, wartend, bis er ihr das Fenster öffnet. Sie kommt und geht durch die geöffnete Terrassentür. Der Ofen ist seit Wochen kalt.

Juni. Manchmal denkt er, dies wird sein letzter Sommer sein.

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(*)  aus „Tagebuch März 1951 – Dezember 1959“ von Albert Camus

(*)  Streetparade 1999 und Bäume im Garten, Frühling 2012. Video: cuirhomme

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