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November 2012

Internet als panoptisches System

Ich zitiere einige Textpassagen aus „Überwachen und Strafen“ von Michel Foucault, in der er sich mit dem „Panoptismus“ befasst. Er entwickelt seine Gedanken ausgehend von einem Reglement aus dem 17. Jahrhundert. Dieses listet die Massnahmen auf, die nach ausgebrochener Pest zu ergreifen sind. Was Foucault 1977 über die „Geburt des Gefängnisses“ schrieb, könnte genau so gut für die Entwicklungen im Internet gelten. Ersetze „Panopticon“ mit Social Media, „Maschinerie“ mit Internet…

„Die Überwachung (der Stadtbevölkerung während der Epidemie) stützt sich auf ein lückenloses Registrierungssystem. Zu Beginn der Einschliessung wird das Verzeichnis erstellt, das jeden in der Stadt anwesenden Bewohner erfasst; „eingetragen werden darin Name, Alter, Geschlecht ausnahmslos aller“. (…) Dieser geschlossene, parzellierte, lückenlos überwachte Raum, innerhalb dessen die Individuen in feste Plätze eingespannt sind, die geringsten Bewegungen kontrolliert und sämtliche Ereignisse registriert werden, eine ununterbrochene Schreibarbeit das Zentrum mit der Peripherie verbindet, die Gewalt ohne Teilung in einer bruchlosen Hierarchie ausgeübt wird, jedes Individuum ständig erfasst, geprüft und unter die Lebenden, die Kranken und die Toten aufgeteilt wird – dies ist das kompakte Modell einer Disziplinierungsanlage.“

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Der Kampfstier

Die Kraft der Beschreibung. Christoph Ransmayr ist der Meister: „Ich sah einen schwarzen andalusischen Kampfstier an einem strahlenden Palmsonntag in der grossen Arena von Sevilla. Als ob er die Nabe an einem aus mehr als zwölftausend Zuschauern bestehenden Rad wäre, das sich brausend um ihn drehte, stand er bewegungslos, schwer atmend, verstrickt in ein tief in den Sand eingegrabenes Muster aus Kampfspuren, und schien wie versunken in den Anblick seines Feindes, eines berittenen Toreros, der ihn fünf oder sechs Pferdelängen entfernt erwartete. Zwischen den Schulterblättern des Bullen steckten sechs Banderillas, armlange, mit buntem Papier umwickelte Spiesse, die an einen Strauss geknickter Blumen erinnerten. Mit jedem seiner Atemzüge stieg Blut aus den Stichwunden und kroch in wirren Spuren über das Fell zu den Hufen hinab.“ („Tod in Sevilla“ aus „Atlas eines ängstlichen Mannes“).

Entspricht zwar nicht den Regeln für Online-Texte (14 Wörter pro Satz als Limit etc.), ist dafür umso lesenswerter. „Geschichten ereignen sich nicht, Geschichten werden erzählt“, sagt Christoph Ransmayr. Kaum jemand tut das lebendiger als er.

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Warenwände

Besessen von Besitz. Aufgetürmte Waren überall. Menschen verstellen in ihren Wohnungen die Wände mit mehrlagig gefüllten Regalen, bunkern Gegenstände und sich selbst. Vier „Hoarders“ zeigt  Martin Hampton in seinem kurzen Dokumentarfilm „Possessed“.

So wie die „Hoarders“ ihre Gegenstände aufreihen, so tut dies Martin Hampton mit den Bildern – in fixen Einstellungen oder ruhigen Schwenks summieren sich die Waren, während die Protagonisten im Off – hin und wieder auch vor der Kamera im Bild – erzählen. „You’ve got no choice but to buy it…“  Auch wenn wir nur Ausschnitte sehen, breiten sich die Sammel-Universen eindrücklich vor uns aus.

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Martin Hampton, „Possessed“ (2008)

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Rico und die Träne

Endlose Landschaften, Sex und Freaks… Himmel, wie finde ich mich bloss zurecht im vimeo-Universum. Wo sind die Perlen unter Hunderttausend Videos. Was gibt es zu entdecken jenseits ölige Frauenkörper massierender Männer, Base Jumper hinter Color FX Filtern und dünnen Frauen in Zeitlupe. Gebt mir einen Film, in dem nicht schon in der ersten Sekunde die Musik spielt!

Ich suche bis ich finde. Irgendwas, worüber ich nachdenken möchte. Wie diesen Film über Rico, den alten Mann, der auf der Strasse lebt.

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Jeremy Snell, „Rico“  (2011)

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