Ich stehe in der Gondel einer Luftseilbahn und spüre in der Hosentasche das vibrierende Handy. Irrtum; es ist die zitternde Eisenstange, an die ich mich anlehne. Ein phantasiertes Phantomvibrieren sozusagen… Der Körper von Menschen, die kein Handy auf sich tragen, registriert Phantomvibrationen. Ein Phänomen, das offenbar immer öfter auftritt. So sehr haben wir uns an diese Geräte gewöhnt, dass wir sie geradezu als Körperteil wahrnehmen.

Vergegenwärtigen wir uns anhand eines Auszugs aus einer Kurzgeschichte von 1948, was es bedeuten konnte, ein „Ferngespräch“ führen zu wollen:


„In dem Hotel waren siebenundneunzig New Yorker Werbeleute, die die Fernverbindungen derart in Beschlag hielten, dass die junge Frau auf 507 von mittags bis beinahe halb drei warten musste, ehe sie mit ihrem Anruf durchkam. Aber sie nutzte die Zeit. Sie las in einer taschenbuchgrossen Zeitschrift einen Artikel mit dem Titel „Sex ist schön – oder die Hölle“. Sie wusch Kamm und Bürste aus. Sie entfernte den Fleck aus dem Rock ihres beigefarbenen Kostüms. Sie versetzte den Knopf an der Saks-Bluse. Sie zupfte zwei frisch gewachsene Härchen auf ihrem Leberfleck aus. Als die Telefonistin sie schliesslich auf dem Zimmer anrief, sass sie auf der Fensterbank und hatte die Nägel ihrer linken Hand fast vollständig lackiert.“

Gewonnene oder verlorene Zeit? Nur eine Frage des Standpunktes.

Zitiert aus „Ein idealer Tag für Bananenfischer“ von J. D. Salinger („Neun Erzählungen“, Verlag Kiepenheuer & Witsch)

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