„Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“ (2. Buch Mose, 20,2–17)

Um 1420 malt Masolino di Panicale in der Chiesa di San Fortunato in Todi das Fresko „Madonna con Bambino e due Angeli“.  Die Freskenmalerei ist sehr aufwändig, verlangt präzise Vorausplanung. Schicht für Schicht trägt Masolino mit seinen Assistenten die Farbe auf. Knapp 600 Jahre später fotografiert jemand Ausschnitte des Freskos und druckt davon Postkarten. Zwei von diesen Postkarten kaufe ich mir. Auf der einen ist eine Madonna abgebildet, eine zweite zeigt einen Engel.

Eine weitere Karte trägt das Profil von Papst Johannes Paul II. Die Foto stammt gemäss Aufdruck von 1980. Mit den Karten im Gepäck fahre ich von Umbrien die paar hundert Kilometer innert 14 Stunden nachhause. Ich klebe die Bilder in ein Notizbuch und pinsle sie in wenigen Minuten mit Wasserfarben nach. Um die Doppelseiten zu scannen und auf den Rechner zu laden, brauche ich ein paar Sekunden.

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Madonna

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angeli

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„Die jährliche Prozession mit der Christustafel (…) war der Brennpunkt der Ereignisse, in denen sich die Rolle der Bilder ausdrückt. Schon im 8. Jahrhundert war ein Bittgang des römischen Volkes, dem der Papst barfuss mit der Ikone voranging, fester Brauch, besonders in Notzeiten, wenn es um das Übeleben der Stadt ging.“  (Hans Belting, „Bild und Kunst“)

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johannes

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Gemäss socialmediastatistik laden Nutzer allein auf das Portal von Instagram täglich 40’000’000 Bilder. In der Bilderflut bleibt kaum Luft für Götzenverehrung. Wir leben inmitten einer Ikonokratie…

„Ich will alles falsch malen und zeichnen, die unerwartete Linie und die unerträglich erwartete Linie; so bin ich sicher, dass diese von mir sind und nicht vom grossen Raster. Die Lebenserwartung ist sehr inkommod ob dieser Anstrengung und die Sicht zunehmend schärfer.“ (Martin Disler zitiert aus „Kunst expansiv“ von Bice Curiger)

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