Bier. Hoolahoop. Fläschchen und Gläser auf  dem Tablett balancierend schlängelt sich der Kellner zwischen Stühlen und Tischen mir entgegen. Mit energischem Schwung greift er sich den Flaschenöffner und hebelt die Deckel von den Glashälsen. Klappern, Klirren, Schäumen. Strassen-Café in Süd-Euorpa.

Ich schau aus dem Vormittags-Schatten über meine halb ausgestreckten Beine zu den Flaneuren, den Shoppers und Schaulustigen. Stimmengewirr vermischt sich mit Radiomusikfetzen. Sicher würdig, mir das zu merken. Ich bin in einem Zustand zwischen Ruhe und Aufmerksamkeit. Neben mir und nebenbei läuft die Kamera. Sie sammelt ihre eigenen Eindrücke. Zufällig. Ausschnitte dessen, was ich sehe, schreibt sie auf Band. Die archivierten Daten montiere ich zu einem Bild, zeichne ein Video, ein audiovisuelles Stilleben.

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Ins Herz der Dinge I

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Das gemalte Stillleben von einst sollte realistischer sein als die Natur, als das Leben selbst. Und heute? Die Kunstfertigkeit hat die Natur überflügelt. Bilder sind wahrhaftiger geworden als das Leben. Sie sind Teil unserer Realität, treten an die Stelle von Leben. In der Werbung genauso wie in den Staffel(eie)n im Fernsehen, den Filmen, die unsere Erinnerungen und Wünsche in Storylines und kolorierten 3D-Simulationen absorbieren. Ja, wir werden selbst immer mehr zu Bildern. Im von Suchmaschinen gesteuerten Strom oder den Timelines unserer socialmedia-Profile sind wir vor allem eins: unser eigenes Image.

Das audiovisuelle Stillleben „Ins Herz der Dinge I“ zeigt lediglich. Zeigt Regenschauer in Genuas Feierabend-Verkehr, die Badenden im warmen Wasser der Embros-Quellen, die Wäsche am Balkongeländer in Bellinzona… erzählt vielleicht Gegenstands-Geschichten. Ich male von mir kein Bild, bin nicht Objekt von Stories. Selbst bin ich immer präsent und doch abwesend. Immerhin!

Und dann: obschon ich solche Arbeiten als Gegenposition verstanden haben will, gerinnen auch sie nur zu einem weiteren Pixelnebel im von mir kreierten Image. merk-würdig…

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