Lauter Gegensätze. Die abgesperrte, tödliche Zone im russischen Film von 1979 und die Millionen von Menschen anziehende, Glück verheissende Vergnügungsstätte Las Vegas sind zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

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Eskapismus da, Selbstfindung dort

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Las Vegas durchstreife ich selbst, mitten drin, beobachtend mit der Kamera. In Tarkowskijs Film kopiere ich mein Augenpaar, versuche Besitz zu nehmen vom Beobachter im Film. Dazwischen spuken Spielfiguren, Monster, die Fingerhütchen oder farbige Holzfigürchen der Brettspiele ersetzt haben.

Ich erlebe Amerika 2012 in seiner klischiertesten Ausprägung: Kulisse, Verführung, Vermarktung, entgegenkommend unverbindlich, ausser sich sein in der Kommerz-Zone. In „Stalker“ implodieren Raum und Zeit wie in Las Vegas, Licht und Dunkelheit dienen hier wie dort  einzig der Inszenierung. Wir schauen hinein in die zerfallende UdSSR, kontrolliert und beschattet von einem allgegenwärtigen, mächtigen Überwachungssystem. Die Menschen sind blockiert, suchen nach Lebenssinn, nach Auswegen. Künstlich sind beide Welten, die real existierende beinah noch mehr als die im Film Inszenierte.

Und heute? Zonen verschieben sich in den Cyberspace, sind verlinkt durchlässig. Doch die Grenzziehungen im virtuellen Raum wiederholen sich. Passwort-Schutz als Grundbedingung. Wir errichten Gated Communities ganz zwanglos. Communities der Zerstreuung…

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