Hier rauchte ich die erste Zigarette, küsste das Mädchen aus der Oberstufe und spielte mit manchem Gedanken. Links die Schafweide, rechts der steile Waldhang und mittendrin dieser stille, kleine See. Undurchsichtig, schwer und trüb wie gelegentlich Gemütszustände, liegt das Wasser da. Ein hingegossener, grüner Spiegel. Ich stehe auf dem Brücklein, drunter fliesst das Wasser ab und stürzt einige Meter hinab zum tiefer liegenden Waldboden. Dort schäumt es, angereichert von weggeschwemmten Düngemitteln, hell-bräunlich und fliesst gemächlich durch das Wäldchen.

Die Jungnazis, die hier eine Zeit lang regelmässig sauflagerten, sind geläutert, geheilt oder weggezogen. Seither ist es wieder ruhig geworden. Gelegentlich hasten Nachbarn vorbei, hinüber zur Bushaltestelle. Jene, die ihr „Leben nicht mehr allein meistern können“, scheuen den Spaziergung hierher. Vielleicht würden sie sich verlieren, vielleicht würden sie sich ängstigen im dunklen Tobel. Sie kippen ihre Bierdosen ausgestreckt auf der Sitzbank dort oben am gegenüberliegenden Hügel, direkt vor dem Pflegezentrum.

Selbst die Jugendlichen meiden den romantischen Ort. Annäherung auf abgelegener Bank? Sie senden einander Flüster-Nachrichten oder Schmuse-SMS und chatten anbandelnd. Das Laub klebt an der Bank, selbst im Sommer. Ich schau ins Wasser. Es ist zu dunkel, um mich darin zu spiegeln.

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Wunder der Spiegelung – Spiegel der Verwunderung

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Da steh ich nun, nah am Wasser. Es fliesst nur in eine Richtung, stets in die Tiefe – und nie wieder zurück.

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