Das Internet öffnet Schleusen zu Seelen. Seelen, die ich anhand von Fotos den Menschen rauben kann. Der Bildraub lässt mich ins Verborgene, ins Private eindringen! Fotos bei Facebook herunterzuladen ist dank einer neuen Funktion kein Problem – zumindest technisch. Kaum jemand überlegt sich jedoch, was rechtlich erlaubt ist. Wer Nackt-Bilder der Geliebten auf einer der zahllosen (wenn auch meist fingierten) „ex-gf“ Seiten hochlädt, foutiert sich um rechtliche Einschränkungen.

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web-footage-video mit Gesichtern aus Facebook-Profilen und Strassen von street view

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Die fotografische Inszenierung im „Selfie“ ist zur wichtigsten Währung der Persönlichkeitsentfaltung geworden. Der „…Druck zur optimierten Selbstdarstellung, also zur strategischen Entfremdung von sich selbst“ steigt unaufhörlich (Felix Knoke in DE:BUG 174). Facebook könnte daraus noch mehr Kapital schlagen als bis jetzt schon. Die Nutzungsbedingungen sind so vage formuliert, dass offen bleibt, ob das Unternehmen nicht schon bald die von Usern gespeicherten Inhalte vermarkten wird – z.B. als Rohmaterial für Werbung.

Wem gehören nun diese im Netz frei zugänglichen Bilder? Facebook? Twitter? Instagram? Uns allen…?

Ich darf sie zwar herunterladen, nicht aber teilen. Es irrt, wer meint, im sozialen Netzwerk gepostete Bilder seien Veröffentlichungen, die frei verfügbar sind. Wir könnten andrerseits das soziale Netzwerk auch als öffentlichen Raum auffassen und da gilt: „Das Fotografieren in der Öffentlichkeit ist insoweit erlaubt, als der Abgebildete auf dem Bild als „irgendwer“ erscheint, mag er auch identifizierbar sein.“  

Gibt es in Zeiten von Photoshop und Flickr überhaupt noch das originäre, schützenswerte Foto? Sind nicht alle Bilder schon da und produzieren wir – auch wenn wir selbst fotografieren – nur noch Dubletten? Birgt nicht die künstlerische Bearbeitung eines bestehenden Bildes viel mehr Eigenleistung als das selbst fotografierte Abbild…?

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nudes vg 02

 Thomas Ruff – „Nudes VG 02“

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Das Recht am eigenen Bild wird wohl dereinst fallen. Spätestens dann, wenn sich niemand mehr über Googles Streetview-Scans aufregt und Forderungen nach abgedeckten Gesichtern oder Hausfassaden in den Gerichtssälen verhallt sind. Bis dahin ist die ubiquitäre Observation mit Google-Brillen oder anderen Instrumenten etabliert. Wir werden uns gegenseitig unbemerkt aufzeichnen und registrieren können.

Dann ist das einzelne Bild wertlos und verdient keinen Schutz mehr. Relevant sind nur noch dessen Metadaten. Die werden wir schon gar nicht mehr lesen können. Das werden wir den Metadaten-Spekulanten des Ichs überlassen müssen…

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