Mir doch egal, ob du dich Andrea, Marco, BitchAndProud, Ugugu oder Gaga nennst. Ich bin nicht hier, um vertrauenswürdige Freunde zu finden, auch nicht um Kundenkontakte zu pflegen oder Produkte zu verkaufen. Ich bin hier, um mich zu unterhalten und zu informieren. Ob jemand vertrauenswürdig ist, kann ich herausfinden. Da sind fast immer mehrere Quellen zum Vergleich. Und wo nicht, bleibe ich vorsichtig, neugierig und geduldig. Seriosität spielt für mich kaum eine Rolle.  Es geht um Meinungen. Möglichst viele Meinungen, Visionen, Spekulationen. Ja, Schwindel auch. Das ist interessant. Häufig gerade dann, wenn Maskierte sich melden.

So lange wir miteinander kommunizieren und uns respektieren, ist es einerlei, ob du schwul oder verheiratet, Alkoholiker, Antroposophin, Bankfilialen-Leiter, Bordell-Besitzerin oder was auch immer bist. Und wer sich für mich interessiert, wird feststellen ob ich Fisch oder Vogel bin.

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GiHuFi

Ich mach den Hals lang, bin lechzender Hund und tauche öfters ab

Dazu braucht ihr weder Name noch Adresse. Helmut Geier muss ich nicht persönlich begegnen, geschweige denn seine Wohnadresse kennen, obschon ich seine Musik – DJ Hell’s Musik – mag. Marco Pfeuti dagegen kann mir gestohlen bleiben, auch wenn er sich kumpelhaft Gölä nennt.

Bin ich im Netz, so heisst es, könnte irgend jemand meine auf dem Rastplatz der Datenautobahn abgestellten Abfallsäcke durchsuchen. Ihr macht das natürlich nicht. Doch wer nach etwas sucht – nach Mustern, Präferenzen, Unregelmässigkeiten – wird fündig. Wer durch Datenlecks guckt, wird mich nackt sehen, selbst wenn ich das Licht ausmache und die Truthahn-Haube überstülpe. Der IT-Sicherheitsexperte sagt, „man muss also immer davon ausgehen, dass jemand mitlesen kann.“

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KaPfTru

Schnurren und loswiehern bis zur Schlachtbank

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Ob die 15000 Agentinnen des GCHQ,  die 35000 der NSA, jene unzähliger anderer Sicherheits- und Geheimorganisationen oder ob private Firmen meine Daten bunkern und wofür auch immer auswerten – mich lässt das kalt. Ich bin stets davon ausgegangen, dass, was technisch möglich ist auch gemacht wird. Ob vom Nachrichtendienst oder dem Grossverteiler. Was glaubt ihr, wie gut Frau Jucker von der Volg-Kasse und ihre Kolleginnen mein Einkaufsverhalten kennen? Und was denkt ihr, wie viel Coiffeuse Seline über meine Familienverhältnisse weiss? Das beeindruckt mich im Moment mehr, mag es auch naiv erscheinen…

Beschränke ich mich nicht auf Kochrezeptblog und Katzenbilder, wird mir die Elefantenverkleidung wenig nützen. Und auch nicht schaden. Eine weitere Maske im heiteren Spiel der Netz-Figuren. Ein Statement!

Ernst wird es dann, wenn Geld ins Spiel kommt. Wenn Konzerne Kundenbindung optimieren möchten oder neue Produkte etablieren, Kleinkriminelle Unwissende ködern, die postkapitalistische multinationale Beschleunigung gestört zu werden droht oder Politiker und Generäle am Abgrund sich bedroht fühlen. Dann werde ich aufgrund meiner digitalen Archive urplötzlich denunziert oder verwahrt. Die Tarnung des Chamäleons versagt im hyperregulierten System.

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ChaElCa

Chamäleon gleich getarnt bleibt dem Dickschädel lediglich Computer generierter Spass?

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Ich habe nichts zu verbergen – aber viel zu verlieren. Bis es soweit ist,  zieh ich mir die Katzenmaske über, verhalte mich manierlich und hoffe, euch damit zu gefallen…

Nachtrag vom 14.7.2013: Ernst wird es auch da, wo Hass und Drohung gegen alles, was der Mensch ist, sich ungehindert in die Timeline frisst. Beispielsweise in Nazi-Accounts (viele unter – vermeintlich echtem – Klar-Namen) die ich in den letzten Tagen bei Facebook, Twitter oder Youtube aufspürte. Die Nicht-zu-Ende-Geborenen (Klaus Theweleit), offensichtlich aggressionsbereiten Irrsinnigen einfach zu ignorieren wäre falsch. Doch im Netz ist Zivilcourage reduziert auf nonchalente Retweet- oder Spamblock-Farcen. Wo wir an die Grenzen des Erträglichen stossen, bleibt offensichtlich nur Ignoranz….

Weitere Artikel: Identität im Netz und Internet als panoptisches System

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