Seit Ewigkeiten vermag mich allenfalls Autowerbung  zu interessieren. Visuelle Meisterwerke sind das, oft mit phantasievollen Plots. Sie lassen erahnen, dass Autos tatsächlich sowas wie die Kathedralen von heute sein könnten.

Dann kam die Maybe-Kampagne für Marlboro Zigaretten. Die hat mich an- und aufgeregt. Ich hatte das Gefühl, hier würde ein Glanzlicht auf’s aktuelle Gesellschaftsbild gesetzt. Leider hat sich der Eindruck damals rasch wieder verflüchtigt. Und nun der neue Werbeclip für’s iPhone… Ich bin mir fast sicher: der von den portablen Zerstreuungsmaschinen dirigierte Konsum-Zombie lässt sich treffender nicht darstellen…

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iPhone Zombies in trendy Buntwäsche

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Da tänzeln, wippen und hüpfen die Menschen in allerlei Lebenssituationen zur taktgebenden Mobilwanze, interagieren einzig auf Geheiss der Apps, wenn sie nicht schon gänzlich in ihren hermetischen Erlebniskerkern verschollen sind. „Jeden Tag geniessen mehr Menschen Ihre Musik…“ verheisst die freie Verfügbarkeit der Lieblingssounds und meint die Zwänge willenloser Konsum-Leichen.

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Zombies

Den Konsumzwängen Erlegene beim Shopping

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Passend dazu im selben Werbeblock: Ein Elefant streut mit seinem Rüssel Rosen in ein offenes Grab, dazu aus dem Off: „Bleiben Sie in bester Erinnerung!“ (myhappyend.org)  Und weiter: Ein alter Mann nähert sich seiner ebenfalls betagten Geliebten, um sie zu küssen. Doch kurz vor dem Kuss kippt er tot von der Parkbank… „Ein Herzinfarkt beendet ein Leben, bevor es zu Ende ist“ (Schweizerische Herzstiftung).

Irgendwie lässt sich alles vermarkten. Irgendwie scheint auch, müsse alles vermarktet werden. Ich bin gespannt, wie dereinst die coole Protastaresektion, die romantische gerontopsychiatrische Pflegestation oder die unvergesslich schicke Kremation beworben wird.

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