Mutter und Vater lassen das Kleinkind nicht aus den Augen. Jeden Laut, jede Regung nehmen sie wahr. Allmählich wagt sich das Kind aus der Obhut, bis es seine Freiheit erlangt. Doch bevor es soweit ist, übernehmen die Telekomanbieter, die Unternehmen und Ämter die Aufsicht. Sie empfangen meine Signale, wo immer ich auch bin.

Um und über uns Signale senden und empfangen (*)

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Ich fahre über die Grenze. Frankreich. Das Smartphone meldet sich ab, loggt bei einer neuen Gesellschaft ein. Grenzübertritt erfasst. Checked. Gefangen in unsichtbaren Netzen, die mit mir wandern. Ich fühle mich nicht eingeschlossen. Von aussen erreichen mich ständig Nachrichten, kleine Botschaften, Bilder, Signale. Noch mehr Impulse sende ich; Funkzellenabfragen, Antenensuchläufe. Vorratsdatenspeicherung gespeist. Den Kerker um mich. Und in mir. Bin eine Sonde innerhalb der sozialen Kybernetik.

Was sehen die Agenten, wenn sie dereinst meine Daten auswerten? Was kombinieren sie, wenn sie meine Koordinaten analysieren? Wie sieht das Phantombild aus, das sie von mir simulieren? Mit ausgestrecktem Arm richte ich die Kamera gegen den Himmel. Etwa alle 10 Minuten drücke ich den Auslöser. Ein Impuls. Ich zeichne den Raum über mir auf. Eine Botschaft, zweidrittel Sekunden lang. Was bleibt von der 4-tägigen Ferienreise ins Elsass mehr als Reihen sequentieller Datenspeicherung?

Mutter wäscht meine Kleider nicht mehr. Sie ist längst gestorben, ist nicht mehr gut zu mir. Auch Vaters Ratschläge bleiben aus. Der Lauf des Lebens. Ratschläge, die ich nicht nachfrage, kommen von anderer Seite. Ständig. Schatten verfolgen mich…

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 (*) Video und Musik: cuirhomme. Alle Klänge sind rhythmisierte O-Töne bis auf das Sample von  H.M Gorecki, Symphonie No 3. Op. 36

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Raster

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