In Anlehnung an Neil Postman und seine Mutmassung „Wir amüsieren uns zu Tode“ bin ich verführt festzustellen: Wir kommentieren uns zu Tode. Einige von uns wenigstens. Seit ein paar Wochen konsultiere ich häufig die Plattform politnetz.ch. Dort sind einige Artikel aufgeschaltet, in denen Autoren die No-Billag Initiative unterstützen. Als leidenschaftlicher Befürworter des Service Public – insbesondere im Informationsbereich – beziehe ich auch leidenschaftlich Stellung gegen diese Initiative, die dem Bund verbieten will, Radio- und Fernsehprogramme zu betreiben. Mit meinen Ansichten bin ich im Forum politnetz.ch allerdings allein auf weiter Flur.

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Menschen„Unser Zeitalter sei gekennzeichnet durch die Weigerung, sich zu erinnern“ (1)

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Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig Kommentarschreiber (kaum Frauen übrigens) einander zuhören. Sind die in persönlichen Gesprächen ebenso unkonzentriert und rasch abgelenkt oder lenken selber rasch ab? Ich rufe hinaus übers offene Meer.

Hier habe ich ein paar Kommentarstrecken zusammen gefasst. Diejenigen, die sich gar nicht aufeinander beziehen (oder auf meine Kommentare) sind nicht aufgeführt. Es zeigt sich aus meiner Sicht auch so, wie wir geflissentlich aneinander vorbeischreiben. Allzu oft brechen Kommentierende den Kontakt einfach ab. Immerhin: „…noch das einfachste Benennen eines Dinges ist ein Denkakt – zu ihm gehört, dass man ein Ding mit anderen vergleicht, dass man bestimmte gemeisame Merkmale auswählt, dass man das Unterscheidende ausser acht lässt und in der Vorstellung Kategorien schafft.“(2) Immerhin also: wir schreiben Kommentare und schauen nicht bloss zu… wenn man nur wüsste, wer da schreibt.

Ursprünglich war da dieser Artikel:

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Einseitige Stimmungsmache gegen Russland

Balazs: Und da passt genau dieses Video. Ich habe mich fürchterlich aufgeregt letzten Freitag Abend, was uns ein sogenanntens, von Zwangsgebühren finanziertes Fernsehen vor die Nase hält. Die meinen bei der SRG wir sind alles willen- und kritiklose TV-Konsumenten?  Video: http://www.youtube.com/watch?v=r6Oeb78jMTg

cuirhomme: In Ihrem Video, Gabor Balazs, kommt durch die hinzugefügten Kommentare eigenlich nur eins ganz deutlich zum Vorschein: Ihnen scheint die auf vorliegenden Fakten basierende Berichterstattung nicht zu genügen. Sie erwarten, dass sämtliche verfügbaren Informationen in Frage gestellt und umgedeutet werden. Sie dem Publikum mit der gebotenen Vorsicht zu unterbreiten, kommt für Sie nicht in Frage? Während der gesamten Sequenz wird immer wieder unterstrichen, dass nur gemutmasst werden kann. Auch Putins Position wird dargestellt. Letztlich müssen auch Medienleute in derart chaotischen Situationen versuchen, sich einen Überblick zu verschaffen.

Bei dieser Nachrichtenlage könnte man entscheiden, einfach nicht zu berichten. Dann würde es aber sofort heissen: Da ereignet sich so eine Katastrophe und die verschlafen das – wofür zahle ich eigentlich Gebühren! Dass Nachrichtensendungen Nachrichten senden, auch wenn sie (noch) keine (gesicherten) sind, können Sie nicht nur den SRG-Programmen vorwerfen. Daran kranken Medien insgesamt – wenn Sie so wollen.

Im Gegensatz zum kritisierten Programm sind die von Ihnen eingeblendeten Fragen tendenziös: Sie machen sich über die Moderatoren lustig, ergreifen Position für die russische Seite, gewichten einmal Bild mehr und überhören Kommentare und umgekehrt… Nun, gegen kognitive Dissosanz ist kein Kraut gewachsen. Ich denke aber, daraus sollten Sie keine generalisierte Kritik ableiten.

Caduff: Herr Ledermann? Erzählen Sie mir doch kurz die Fakten, welche aus dieser Berichterstattung hervorgingen. Ich meine die Fakten, die bestätigen, was gestern auch im 10vor10 gezeigt wurde? Ich meine auch, die Fakten waren eigentlich keine. Der Bericht wurde aufgebauscht, der Zuschauer mit Mutmassungen alleine gelassen und schliesslich mit wagen Vermutungen für dumm verkauft.

Ich meine etwas polemisch: Ein neutraler Staat sollte auch ein neutrales Staatsfernsehen unterhalten können (immerhin bezahlen wir alle für dieses Fernsehen). Gegenstimmen in diesem Bericht kamen kurz oder gar nicht zu Wort. Auch der Korrespondent Herr Christof Franzen konnte nicht wirklich viel dazu beitragen. Haarsträubend aber fand ich auch die fehlenden Quellenangaben und falls es halbwegs welche waren, sprach man im Indefinitpronomen, was für das Journalistenhandwerk ein NoGo ist. Lernt man im ersten Semester der Journalistenschule.

Auch das Bild mit der angeblich fehlenden BUK war lächerlich und geht in die Kategorie „Schmuddeljournalismus“. Von den anfänglich gezeigten Koffern und dem Laptop, bis zum O-Ton mit der Aussage: „Kinder in den Konflikt hereingezogen von dem sie vorher nicht mal etwas wussten“, ist Tränendrüsensensantion unterster Schublade. Das sollten Sie als fundierter Kenner der „seriösen“ Berichterstattung am besten Wissen. Nein, diese Berichterstattung war wahrlich kein Meisterwerk und erntet von meiner Seite her nur Spott. Ich erwarte andere Qualitäten. Sie selber finden den gesamten Bericht sehenswert was für sich spricht.

Balazs: Arbeiten Sie beim SRF Herr Ledermann? Sie verteidigen diesen Schund durch alle Böden. Schon etwas auffällig.

cuirhomme: Offen gestanden schaue ich die Newssendungen von SRF kaum. Daher weiss ich nicht, was gestern in 10vor10 gezeigt wurde. Vom SRG-Angebot nutze ich viel mehr die Radioprogramme.

Bilder an sich sind im Fernsehen Fakten. Ich muss mich darauf verlassen, dass die gezeigten Trümmer die Überreste von MH17 sind. Wenn ich einen Lastwagen sehe, auf dem etwas transportiert wird, dann kann mir der Kommentar viel erzählen… so wie das im SRF-Video oben präsentiert wird halte ich es für korrekt. Ich höre, das ukrainische Verteidigungsministerium hat ein Video ins Internet gestellt… es soll ein sogenanntes BUK-Flugabwehrsystem zeigen…“ Es ist richtig, es handelt sich um eine Sammlung von Indizien. Ich kann aber immer nachvollziehen, woher die Bilder stammen (bis auf die Auslassungen bei den Fotos mit dem OSZE Helikopter und Beobachter – die Quelle ist da aber eher irrelevant). Wie gesagt, halte ich solche Beiträge generell für fragwürdig, weil sich die Berichterstatter ständig im Graubereich zwischen Propaganda und neutralem Abbild aufhalten. Darin bewegen sich momentan aber allen Medien…

Aus meiner Sicht bereitet die Tagesschau das Thema hier sorgfältig auf. Ich weiss als Zuschauer ständig, dass noch immer nur gemutmasst werden kann. Tatsächlich wird aber Bildern eine grössere Beweiskraft zugemessen, als den Kommentaren. Das (zugegeben heikle) Video vom Raketentransporter nicht zu zeigen, wäre aber sträflich. Denn von diesem Video wurde vielerorts berichtet. Nur wenn ich die Gelegenheit habe, es selbst zu sehen, habe ich auch die Gelegenheit zu wissen, worüber gesprochen wird. Das heisst aber noch nicht, dass da genau das zu sehen ist, was die ukrainischen Behörden vorgeben. Genau wie der SRF-Sprecher im Off kann ich mich nun fragen, kommt die Lücke auf dem Lastwagen von fehlenden Raketen? Ist das glaubwürdig? etc.

Dass angesicht so einer Katastrophe von man oder alle hier gesprochen wird, repräsentiert für mich den verbreiteten Schrecken – ich sehe darin keinen journalistischen Frevel – es sei denn, man wollte jegliche Emotionalität aus dem Journalismus verbannen. Darüber kann man streiten. Ich bin kein Journalist, habe als Zuschauer die Sprache in den Beiträgen (auch von Franzen) als adäquat empfunden. Ob von den vielen Kindern gesprochen werden muss… ich halte das auch für sehr bemühend. Das hätte es angesichts der Katastrophe wirklich nicht gebraucht.

Ich arbeite nicht bei SRF, habe aber sehr lange Film und Fernseh-Beiträge geschnitten. Bei Privaten als auch für SF (wie das damals) noch hiess. Das ist ein paar Jahre her. Wer meinen Blog liest, kann nachvollziehen, was mich umtreibt: der Umgang mit Information, die Art und Weise, wie Journalisten Voreingenommenheit und Parteilichkeit vorgeworfen wird, notabene genau von jenen, die nichts anderes tun, als selbst Parteilichkeit zu bedienen. Das ist absolut in Ordnung – hier oder in den entsprechenden publizistischen Produkten. Wogegen ich mich sträube, ist, wenn wir unsere Informationen nur noch von solchen Plattformen oder – ich sage mal – instrumentalisierten Medien beziehen können. Oder von Privat-TV Anbietern. Wohin das führt, können wir in einigen Ländern, die kein funktionierendes service public Mediensystem mehr haben, sehen…

Dubler: Herr Ledermann: Es steht im Gesetz und ist eine Konzessionsverletzung, falls die Quellen nicht bekanntgegeben werden. Egal ob Sie es für unwichtig halten oder nicht.

cuirhomme: Falsch! Bitte konsultieren Sie Seite PDF Seite 23, Kapitel 5.3.: http://www.srgssr.ch/fileadmin/pdfs/Publizistische%20Leitlinien%20SRF.pdf

Balazs: Ich habe leider den UBI-Rapport vom letzten Februar 2013 nicht zur Hand. Dubler meinte offenbar den Fall Hagger gegen die SRG im Zusammenhang mit einer zusammenhängenden Berichterstattung. Die UBI hat entschieden, dass in einem komplexen Zusammenhang von höchstem öffentlichen Interesse, lückenlos jede Quelle angegeben, doppelt abgeklärt durch zwei von sich unabhängige Quellen und mindestens eine angeschuldigte Partei genauso viel Redezeit erhält wie der Ankläger.

Somit würde ja die Tagesschau vom letzten Freitag gar keine dieser Auflagen erfüllen was das gezeigte Helikopterbild ja in einem ganz anderen Licht erscheint. Ich reiche den Haggerbericht noch nach. Mit anderen Worten, die Berichterstattung, zumindest der erste Teil, würde überhaupt keine Auflagen erfüllen und wäre somit einen Verstoss gegen die Konzession. Ich weiss, dass der gezeigte Tagesschaubericht bereits beim Ombudsmann der SRG deponiert wurde. Ich bin dann gespannt, was er dazu zu sagen hat.

cuirhomme: Da bin ich ebenfalls gespannt… Der Fall Hagger ist mir nicht bekannt. Falls Sie einen Link nachliefern können – vielen Dank zum voraus.

Es ist zu unterscheiden, ob mit Bild- oder Tonmaterial jemand kritisiert/angeklagt/beschuldigt wird oder lediglich ein bereits hinlänglich bekannter Umstand bebildert – so wie das hier im Zusammenhang mit den OSZE-Leuten der Fall ist. Dass die an der Absturzstelle sind, wissen wir schon längst. Ausserdem fragen Sie sich ja selbst, ob das wichtig sei, dass da ein Schweizer dabei ist. Diese Frage stellt sich mir tatsächlich auch und sie beschäftigt mich mehr als die fehlende Angabe über eine Bildquelle.

Ich glaube nicht, dass die russische Position von höchstem öffentlichen Interesse ist. Es genügt, dass sie bekannt ist. Denn das Thema ist viel zu komplex, als dass es in einer Newsberichterstattung auch nur annähernd erschöpfend ausgebreitet werden könnte. Die Tagesschau kann diese Aufklärung gar nicht leisten – nicht einmal ein Themenabend auf arte könnte dies, seien wir doch realistisch.

Das ist im Fall eines Schönheitschirurgen, der junge Frauen zu Brustoperationen rät (auch ein bekanntes Sujet) etwas anderes. Hier ist eine faire Gegenüberstellung zwingend nötig und auch realisierbar. Zumindest im Ansatz (der Schönheitschirurg hat dennoch geklagt, Christoph Mörgeli ebenso und der Fall Hagger…?)
Bei Ereignissen von möglicherweise historischem Ausmass werden immer nur Fragmente zu uns vordringen. Als Appetizer sozusagen. In diesem Dilemma befinden wir uns im Newsbereich. Unwiderruflich. Da ändert auch No-Billag nichts dran – im Gegenteil!

Natiez: Herr Ledermann, was mich von Ihnen als Mensch mit einem journalistischen Hintergrund interessieren würde:

– Was sagen Sie zur Berichterstattung der Westmedien über die Ukraine-Krise allgemein? Ausgewogen? Oder eher „russophob“?

– dazu, dass, nachdem westliche Medien und Politiker breit und laut der Russischen Föderation die Schuld zuwiesen für die Katastrophe, sie  nun kritische Fragen der Russischen Armeee, die ein ganz anderes Bild zu zeichnen geeignet sind, nonchalant totschweigen?

cuirhomme: Meine Mainstream-Medien sind die NZZ und das Echo der Zeit von Radio SRF1. Ansonsten informiere ich mich via Links und Verweise, die es mir aus dem Netz entgegen bläst. Andere Tageszeitungen oder Radio-/Fernsehkanäle meide ich. Ich fühle mich gut informiert, weder einseitig noch „russophob“. Ausgewogen? Die russische Position ist mir bekannt und die schwingt dauernd mit, wenn ich die überwiegend (pro-?) „westliche“ Berichterstattung verfolge. Ich empfinde es nicht so, dass der „Russischen Föderation breit und laut“ die Schuld zugewiesen wird. Hat das mit meinem Medienkonsum zu tun…?

Ich halte die verfügbaren Informationen für glaubwürdig – und bleibe dennoch immer skeptisch. Die westlichen Medien berichten gelegentlich noch so, als ob der eiserne Vorhang da wäre. Als ob der Informationshaushalt westlich von Berlin stark reguliert wäre. Ist er wohl auch. Aufgrund dessen, was mir Russland-Reisende berichten, wird dort ein ganz anderes Bild von der Ukraine-Krise gezeichnet und zwar gänzlich schwarz-weiss. Verglichen damit sind die News hier geradezu vielschichtig. Daher glaube ich, ja, die russischen Medien berichten noch viel einseitiger als die hiesigen Medien.
Kürzlich konnte ich mit einem alten Bekannten sprechen, der in der News-Abteilung von SRF arbeitet. Sie würden ständig von Erich Gysling und Christoph Franzen gewarnt, selbst Agenturmeldungen sehr kritisch und mit aller Skepsis zu beurteilen. Unter anderem würden Leute auf die Strasse geschickt, die sich den Journis für Interviews anbieten. All diese Quotes sind getürkt und unbrauchbar. Diese Hörigkeit, von der hier viele sprechen, kann ich nicht nachvollziehen.

Leider werden immer mehr Korrespondenten-Stellen weggestrichen. Bei Print und Fernsehen/Radio. Zum Glück haben immerhin öffentlich-rechtliche Stationen noch einige solcher Korrespondenten, z.B. in Russland. Ich glaube, die übernehmen eine wichtige Vermittlerrolle. Ich kann nur hoffen, dass auch künftig Korrespondenten-Berichte finanzierbar bleiben.

Was mich nachdenklich macht, ist – um es jetzt mal ganz flappsig zu formulieren – dass jene Leute, die einen vor 30 Jahren bei kritischen Bemerkungen gegen die Ami-Politik sogleich in den Steinbruch nach Sibieren verwünschten, jetzt umgekehrt sich als Russland-Verteidiger in Stellung bringen und Amerika und die EU verteufeln. Also nicht in der Parteinahme der Medien hat sich etwas geändert, aber in der Art, wie wir die Ereignisse rezipieren. Mich würde sehr interessieren, woran das liegt. An den Medien eher nicht…!

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melanchol„Noch das einfachste Benennen eines Dinges ist ein Denkakt“ (3)

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Balazs: haben wir so etwas schon mal im SRF gesehen? Nein. Wäre auch mal eine Sendung wert. Die Sendung ZAP ist eine der meistkonsumierten Sendungen in Deutschland. Alle mal zu empfehlen. Warum bringt das unser Staatsfernsehen nicht fertig? Video: http://www.youtube.com/watch?v=jhnQwZ6W2Mo

cuirhomme: Interessanter Beitrag. Schade stehen SRF statt 9 bloss 2 Sender zur Verfügung und das bei einem Bruchteil des ARD-Budgets. Das gäbe dann auch mehr Platz für solche Medienanalysen.

Statt des etwas schmalbrüstigen Medien-Clubs alle paar Monate wäre ein medienkritisches oder wenigstens analysierendes Magazin eine wertvolle Bereicherung. Da könnte man dann auch mal die ganzen Verschwörungsphantasien – die aktuell wieder auf uns einprasseln – unter die Lupe nehmen…

Wartmann: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Die fehlende kritische Auseinandersetzung mit politischen Themen hängt nicht mit fehlenden Mitteln zusammen. Ich finde übrigens Menschen wie Sie fast schon herzig, welche per se der Ansicht sind, dass Verschwörungen nur in Hollywood-Filmchen existieren.

cuirhomme: Danke. Aber nein, ich sehe schon, dass Verschwörungsideen insbesondere auch in Internetforen sehr gehäuft auftauchen… 😉

Balazs: Wie viele Sender hat Österreich? Weniger als die Schweiz aber die bringen sehr kontroverse Sendungen. Das nur so am Rande.

cuirhomme: Falsch! ORF hat 4 Sender – http://tv.orf.at/

Balazs: ok und wir 7. alles zusammengenommen. Aber der Club gestern Abend sprach ja lieber über Sexsucht! Wahnsinnig interessant.

cuirhomme: Cool, fast 100% mehr Sender für ca. 50% mehr Gebühren… effizient, nicht wahr…? 😉

Balazs: Nein in Österreich bezahle ich für alle Sender 24.88 Euro pro Monat und habe Abends übrigens auch Service Public. Alle Nachbarstaaten ein Sendeplatz je eine Stunde, ich kann als halber Ungare sogar noch die News auf ungarisch schauen, für Nichtösterreicher Untertitelung was ja in unserem Land scheinbar nicht möglich ist, ab 20 Uhr keine Werbung mehr und am Rande erwähnt wird die Kontroverse in Russland sehr neutral behandelt was sich für ein Halbneutrales Land auch gehört. Diverse Stimmen werden angehört, es gab eine interessant Gesprächssendung, gestern interviewte man den russischen Botschafter 20 Minuten lang. Also das soll im Schweizer Fernsehen alles nicht möglich sein? Machen Sie sich aber nicht unnötig lächerlich.

Übrigens werden die Rundfunkgebühren in Österreich sogar gesplittet. Vorarlberg bezahlt am wenigsten und inbegriffen ist auch Kunst und Kultur nicht wie bei uns noch zusätzlich SUISA, das vergessen viele.
https://www.gis.at/gebuehren/gebuehrentabelle/

cuirhomme: Ich kann nichts dafür, wenn Sie andere Meinungen lächerlich finden. Da müssen Sie selber über die Bücher.

Also in der Schweiz kriegen Sie nicht nur eine Stunde Sendeplatz pro Nachbarstaat sondern 2 Vollprogramme pro Nachbarstaat. Und das – umgerechnet und nach Kaufkraft bereinigt für den selben Preis wie in Österreich.

Was die Sendeverantwortlichen an Inhalten programmieren, das ist zum Glück immer noch deren Sache. Schliesslich wollen wir unabhängige Berichterstattung. Was Service Public umfassen und was darin Platz finden soll, darüber können wir ewig streiten. Ich weiss nicht, ob auch noch Tschetschenen und Georgierinnen mitbestimmen sollten, was in den Informationssendungen der SRG gezeigt und in den Tageszeitungen geschrieben werden soll.

Aber ich gebe Ihnen Recht: Statt über Sexsucht zu diskutieren hätte mich ein Club über Verschwörungsphantasien oder meinetwegen die Parteilichkeit der Medien in diesem (und anderen) Weltkonflikt auch mehr interessiert.

Nach dem zu schliessen, was Sie alles zitieren, schauen Sie wohl eher nonstop TV als nur 3 Stunden… Wenn ich jetzt davon ausgehe, dass Sie 3 Stunden wöchentlich SRF schauen, dann wären das in Kinoeintritte umgerechnet circa 900 Franken pro Jahr. Für SRF zahlen Sie also nur halb so viel wie für den (chronologisch) gleichwertigen Kinobesuch. Diese Rechenbeispiele sind wenig ergiebig – ich weiss. Immerhin zeigen sie, dass wir sehr viel Programm für relativ wenig Geld bekommen.

In Österreich gibt es ebenfalls eine Verwertungsgesellschaft, so wie die Suisa hier. Die SRG zahlt im übrigen Millionenbeiträge an die Suisa nur um die Lizenzen für Musikbeiträge abzugelten.

Balazs: Ich brauche nicht ins Kino. Ich kann hier alles im Computer schauen. 😉

 

 

(1) „Der Mönch am Meer“ (1808-1810) von Caspar David Friedich, Zitat Neil Postman

(2) aus „Wir amüsieren uns zu Tode“ von Neil Postman

(3) „Melancholie“ (1894) von Edvard Munch, Zitat Neil Postman

 

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