Wer im Zug von Bern nach Zürich fährt, bestaunt während ein paar Minuten die gigantische Dampfwolke über dem AKW Gösgen. Von hier kommt die Power. Wow. Zusammen mit vier weiteren Kernkraftwerken versorgt Gösgen 3 Millionen Menschen mit Strom. Der Bedarf ist da. In den vergangenen 50 Jahren hat sich der Stromverbrauch pro Kopf mehr als verdoppelt. Bitter nötig haben wir das alles; für Unterhaltungselektronik, Kommunikation, Gebäudetechnik, Wäschetrockner oder diverse Pflege- und Kleingeräte. Rund die Hälfte unseres privaten Stromverbrauchs geht für befriedigtes Komfortempfinden drauf.

Doch das alles ist nur Pipifax. Denn die Haushalte verbrauchen nicht einmal einen Drittel des produzierten Stroms. Den grössten Teil fressen Industrie und Gewerbe.

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AKWVerstellte Zukunftsaussichten

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Atomstrom sei konkurrenzlos günstig. Gerade mal 5 Rappen pro Kilowattstunde koste der Pfuus der AKW. Nix da behauptet die Schweizerische Energie Stiftung SES. Nur die Marktverzerrung durch massive Atomstrom-Subventionen ermögliche die tiefen Preise. Kosten würden schön geredet und seien bis zu zehnmal höher als behauptet.

So fordert das neue Kernenergiehaftpflichtgesetz, dass im Fall eines Unfalls bis 1.45 Milliarden Franken gedeckt sein müssen. Angesichts verschiedener Schätzungen, die im Schadensfall Kosten zwischen 950 Milliarden Franken und 6000 Milliarden Euro veranschlagen, ist das beschämend wenig. Allein der neue Sarkophag von Tschernobyl soll 1.6 Milliarden Euro kosten. Die halbe Million Euro Entschädigung, die deutsche Wildschweinjäger auch 30 Jahre nach der Katastrophe noch immer einstreichen, können wir dagegen als Satire-Vorlage durchwinken. Auch die 34 Milliarden Euro Staatshilfe, mit denen die japanische Regierung die Betreiberin der AKW Fukushima bislang unterstützt hat, geben einen Richtwert vor.

Was vergessen? Ach ja. An die bis zu 600 Millionen von der Katastrophe von Tschernobyl betroffenen Menschen haben wir noch gar nicht gedacht. Auch nicht an die Opfer von Fukushima. Die Situation dort ist noch nicht einmal unter Kontrolle. Zweieinhalb Jahre nach dem Zwischenfall fliesst weiterhin radioaktiv belastetes Wasser ins Meer.

So profitieren wir von gesicherter und erst noch günstiger Energieversorgung. Gut für uns. Eingelullt und weichgespült verbraten wir den vermeintlich sauberen Strom. Unsere Kinder und Kindeskinder werden derweil auf Jahrzehnte/Jahrhunderte hinaus vor stillgelegten AKW-Ruinen und Endlagern Wache schieben. Sie werden die Zinsen auf die von uns längst aufgebrauchten Kredite zahlen müssen. Wenn das keine Aussichten sind!?

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