Der Mann teilt gern aus. Gelegentlich gewitzt, oft auch nur beleidigend. Das tun viele. Besonders ausführlich und hemmungslos in sozialen Medien. Mittlerweile ist das gar nicht mehr weiter erwähnenswert… Doch hier handelt es sich immerhin um einen Zürcher Kantonsrat und seit kurzem Nationalrat und Parteipräsident in spe: Claudio Zanetti. Und was er sich kürzlich erlaubte – so meine ich – ist eines Politikers unwürdig. Er teilte einen widerwärtigen Tweet des rechtsextremen Stephen Yaxley-Lennon alias Tommy Robinson.

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20141017-101557.jpgPolitiker  retweet „Sie sollten niedergemacht werden“

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Tommy Robinson twittert den Screenshot einer BBC-Nachricht – ein indisches Millionärspaar muss einer von ihm festgehaltenen und genötigten Frau 100’000 Pfund Schadensersatz zahlen – und kommentiert: „Das pure Böse. Sie sollten niedergemacht werden.“ Dass Claudio Zanetti diesen Tweet teilt, verwundert nicht nur mich. Eine weitere Twitterin fragt an, wie wir den Retweet zu verstehen hätten. Ich will von Zanetti wissen, ob es hier um Lynchjustiz geht oder ob er einfach auf rechtsextremen Spuren wandelt. Einen Twitterer interessiert, ob Zanetti sich für die Todesstrafe einsetzen würde. „Nein, der Staat muss Leben schützen, nicht zerstören,“ gibt er zur Antwort. Zwar scheint Zanetti die Todesstrafe abzulehnen. Genauso gut könnte er aber auch gegen Abtreibungen oder eben doch für drakonische Bestrafung sein, falls damit „Leben geschützt“ würde, beispielsweise, in dem Kriminelle lebenslang verwahrt blieben.

Insgesamt befriedigt mich seine Antwort also nicht. Auch hat es Zanetti vermieden, auf meine Präzisierungen einzugehen, respektive die Anfrage zu beantworten, was er mit diesem Retweet bezwecke. Zanetti reagiert schliesslich doch – wie immer ausweichend. Er stellt eine Gegenfrage, in der er auf die BBC verweist, von der der Tweet stamme. Tommy Robinsons fremdenfeindlichen Zusatz blendet er völlig aus. Für eine an mich gewandte, süffisante Beleidigung ist aber – auch wie stets – immer noch Platz genug. @zac1967 wie er leibt und lebt. Schliesslich schaltet sich auch noch – einmal mehr – anwaltschaftlich Thomas Ley (Mitglied der Geschäftsleitung (sic) vom Blick ein. Er ist mir schon oft als Verteidiger von SVP Politikern oder deren Thesen aufgefallen.

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20141017-112725.jpgVereinfachen, missachten, verachten

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Auch Ley geht nicht auf meine weiteren Präzisierungen ein. Im Gegenteil, er kanzelt sie selbstgefällig ab: „Geh schlafen, Maxi.“ Voilà, so funktioniert das Zusammenspiel von Arroganz und Persuasion. Egal ob Reflex oder Taktik, Hauptsache Schwamm drüber. Claudio Zanetti wird weiterhin seine rechtsradikalen Bonmots verbreiten und die Menge Follower wird belustigt weiter grasen. Zanetti kann (oder will) keine Verantwortung übernehmen – nicht einmal für seine Twitter-Attacken. Lieber macht er sich duckmäuserisch aus dem Staub. Kein gutes Omen für die Zukunft eines Nationalpolitikers. Kein Gutes Omen, für die Bevölkerung und das Land, das er in Parlamenten vertritt…

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