Die da oben machen sowieso, was sie wollen. Sie predigen Wasser und trinken Wein. Und die Medien sind deren willfährige Gefährten, die uns die Lügengeschichten der classe politque unterjubeln und uns glauben machen, dass alles so sein soll, wie es ist. Allesamt ein Lumpenpack, diese Journalisten. Aha. Soso.

Dem Schummeln, Schwindeln und Schwurbeln kann ich in sozialen Medien auf den Zahn fühlen. Und ich stelle fest: die Schwerenöter tummeln sich genau in jener Ecke, von wo aus der Vertrauenswürdigkeit der classe politque und gleichgeschalteten Mainstream-Medien dauernd an den Karren gefahren wird. Hier eine kleine Mängelliste.

.

Schwindeln für die Goldinitiative

Am 30. November wird in der Schweiz über die Gold-Initiative abgestimmt. Die Befürworter und GegnerInnen diskutierten in der Diskussionssendung Arena vom 14.11. die Initiative. Die Befürworter wurden aus meiner Sicht recht eigentlich zerfleddert; die schlecht informierten Diskutanten, die offenbar nicht einmal ihren eigenen Initiativtext kannten, argumentierten mit Sozialromantik und einer folkloristischen Geschichtsauffassung, anstatt mit ökonomischen Grundkenntnissen zu überzeugen. Als ob den Initianten ihre Defizite zum vornherein klar waren, zeichneten sie unmittelbar nach der Sendung den Mit-Initianten Luzi Stamm auf mit seinem Kommentar zur Arena:

.

Luzi Stamm, so spontan wie über-zeugend

.

Luzi Stamm sagt, der „haarsträubende Punkt: es ist immer wieder gesagt worden, das Gold könne auf ewige Zeiten nicht mehr verkauft werden…das ist kreuzfalsch…selbstverständlich könnte eine nächste Generation Gold verkaufen“. Luzi Stamm behauptet dies, obschon er mit seiner Initiative in der Bundesverfassung festhalten will: „Die Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank sind unverkäuflich.“ Vielleicht kann eine kommende Generation tatsächlich wieder Gold verkaufen. Bloss wie? In dem wieder eine Initiative lanciert werden muss? Bestimmt kennt Luzi Stamm seinen Initiativtext (den selbst ein Primarschüler verstehen könnte), er will lediglich das schlagendste Argument gegen die Goldinitiative entkräften. Kläglich!

Laut Initiative sollen künftig sämtliche Goldbestände in der Schweiz lagern. Momentan sind rund 30 Prozent in England und den USA deponiert. Die Lagerung der Goldreserven in der Schweiz sei von den Gegner der Initiative völlig heruntergespielt worden. Tatsächlich hiess es in der Sendung, das sei nicht der Hauptkern dieser Initiative, die Frage von der Unverkäuflichkeit des Goldes ist viel zentraler als die Lagerung“ (Karin Keller-Sutter) und Moderatorin Nathalie Christen unterbricht einen Gesprächsteilnehmer, um ein weiteres Thema ansprechen zu können mit „es ist nicht das Wichtigste, ich weiss es, darum haben wir nur kurz darüber gesprochen…“ (bei 1.10.13)

Luzi Stamm macht daraus: „auch die Moderatorin hat mehrmals gesagt, ja, das sei ein völlig untergeordneter Punkt (…) Das ist kein untergeordneter Punkt, sondern ein zentraler Inhalt unserer Initiative, dass man’s in der Schweiz lagert, dieses Gold und dass man es nicht im Ausland lässt.“ Dass dies ein zentraler Punkt der Initiative sei, bestritt ja gar niemand. Bloss; wo das Gold gelagert werde, das sei angesichts der anderen Ziele der Initiative von geringerer Bedeutung. Stamm hat das offensichtlich nicht verstanden.

Zwei bis dreimal sei während der Sendung von Denkfehlern der Initianten gesprochen worden. Auch das lässt Luzi Stamm nicht gelten: Ist das ein Argument? Nein, Geschwurbel. Die Fans werden dennoch anerkennend nicken.

.

.

Einen weiteren dreisten Etiketten-Schwindel betrieb Nationalrat Lukas Reimann. Er vertwitterte das Video einer obskuren Gruppe, die sich Uncut-News Schweiz nennt. Diese rät: „Glaube nichts, prüfe selber!“

Uncut-News Schweiz montierte – alles andere also als UNCUT – ein Erklärstück der SRF-Nachrichten-Sendung 10 vor 10 zusammen mit einem tendenziösen Eigenprodukt, das in reisserischer Manier allerlei willkürlich zusammengewürfelten Behauptungen zusammentrug. Da hiess es beispielsweise, die USA erpressten die Schweizer Nationalbank, die Milliarden-Beiträge an die USA hätte überweisen müssen. Es wurde suggeriert, der ganze Beitrag stamme vom Schweizer Fernsehen. Kurz nachdem ich SRF auf diesen Missbrauch aufmerksam machte, wurde das Video vom UNCUT-News Schweiz Kanal gelöscht und mit folgender Falschdarstellung ersetzt:

.

UNCUTUNCUT-NEWS Schweiz dreiste Falschinformation

 dreis.

Natürlich ist der Beitrag weiterhin auf der Internet-Seite von SRF abrufbar. Nur die durch UNCUT-NEWS Schweiz manipulierte Version ist verschwunden. Absolut zurecht.

.

Sozial-Irrsinn anschwurbeln

Die Schweizerische Volkspartei (SVP) und die Boulevardmedien lassen das Sujet Sozial-Irrsinn – die Kosten im Sozialbereich – auf hoher Flamme brodeln. Nachdem bereits die erste Kampagne auf falschen Zahlen basierte, wies die News-Seite watson.ch darauf hin, dass eine weitere SVP-Gemeinderätin ihren eigenen Fall von Sozial-Irrsin herbei flunkerte. Ihre Gemeinde müsse 273’000 Franken bezahlen, um einen Jugendlichen in einer geschlossenen Wohngruppe unterzubringen, behauptete sie gegenüber Medien. Um auf die saftige Summe zu kommen, rechnete die flinke Gemeinderätin einfach den Tagessatz von 750 Franken für die vorübergehende Unterbringung hoch auf einen fiktiven Jahresbetrag.

Die Kantonsrätin Barbara Steinemann ärgert sich denn auch über den geplatzten Schwindel. Doch statt ihre schummelnde Parteikollegin zu rügen, beklagt Steinmann sich über motzende Journalisten:

.

https://twitter.com/BabaSteinemann/status/533554727577845761

(den Tweet hat Steinemann unterdessen gelöscht – künftig gibt’s wieder PrintScreens)

.

Ich wende ein, die Kollegin operiere mit falschen Zahlen. Darauf twittert Steinmann: „750 Fr. pro Tag im Heim ist mehr als eine Nacht im Einzelzimmer in der Luxussuite im Hotel Kulm in St. Moritz.“ Kling gut, ist aber gelogen oder geschwindelt oder schlecht recherchiert, jedenfalls komplett falsch. Eine Nacht in der Luxussuite des Hotels Kulm kostet mindestens 1850 Franken pro Nacht. Nicht so schlimm; Steinmann meint wohl ein luxuriöses Einzelzimmer in der Tiefsaison. Das ist tatsächlich ab 490 Franken zu haben. Den Aufenthalt in einer Intensivpflegestation oder Akutpsychiatrie mit jenem in einer Luxus-Suite zu vergleichen, halte ich für zynisch. Ein weiterer SVP (Lokal-) Politiker schaltet sich nun in die Auseinandersetzung ein und findet: „Zynisch‘ ist das, was die Sozialindustrie jeden Tag fabriziert!“ Was soll man da noch entgegnen. Vor lauter Schwurbel-Pirouetten ist mir ganz schwindlig.

.

Schummeln für höheres Rentenalter

Von Sozial-Irrsinn der exquisiten Art zeugt meine Erachtens, wer für die Erhöhung des Rentenalters plädiert und behauptet, „wer gut ist – egal welchen Alters und Geschlechts – findet Jobs“.  Eine Jung-FDPlerin glaubt, man müsse einfach „nicht ständig negativ und kompliziert sein.“ Dann kriegen auch Alte Jobs.

.

.

Meinem Einwand, als Mitinhaberin suche sie für ihre Firma eine/n Grafiker/in bis maximal 45 Jahre, sowie ein Nachwuchstalent weicht sie aus – „das hat strategische Gründe, die Dich wohl nichts angehen.Sie dreht sich im anschliessenden Diskurs nur noch um Floskeln wie Selbstverantwortung und Freiheit. Schummeln und ducken für ein höheres Rentenalter – eine besonders bittere Vorstellung von Wasser predigen und Wein trinken.

.

Schleimen gegen Geri

Eine meiner Lieblings-Schwerenöterinnen betreibt den Blog etwasanderekritik.wordpress.com. Wer da die Texte verfasst, ist nicht ganz klar. Der Duktus ist stets angriffig, ja herablassend, gar verletzend. Dreistigkeit statt Dringlichkeit, so lautet offenbar das Credo. Hin und wieder erscheinen Artikel von Alex Baur oder Philipp Gut. Vermutlich toben sich dort noch weitere Autoren der Weltwoche aus. Dieses Wochenblatt hat in der piefigen Affäre um den Badener Stadtradt und Nackt-Selfie-Modell Geri Müller erneut eine unrühmliche Rolle gespielt. Um ihn ging es auch im neuesten Blogpost.

.

.

Im Artikel wird der innigen Abneigung gegenüber dem Grünen-Politiker Geri Müller gefrönt. Vor allem aber geht es der Sendung Rundschau des Schweizer Fernsehens an den Kragen (die Weltwoche notabene pflegt das SRG-Bashing in Endlos-Schlaufen). Ausserdem wird versucht, zwei mutmassliche Drahtzieher der Affäre – Josef Bollag von der Israelitischen Kultusgemeinde Baden und PR-Mann Sacha „das ist frei erfunden“ Wigdorovits – von der immer mehr sich zuziehenden Indizien-Schlinge zu befreien.

Gemäss Polizeiprotokollen hätte Geri Müllers Chatpartnerin Sacha Wigdorovits mit Dokumenten der Bundesanwaltschaft geködert – so suggeriert der/die Autor/in. Geri Müller hätte der Frau die (Wigdorovits belastenden?) Dokumente ausgehändigt. „Wer wäre da nicht neugierig geworden, wenn er die Informationen bekäme, die Bundesanwaltschaft führe über ihn ein Dossier, das irgendein NR noch irgendwelchen fremden Personen in die Hände drückt. Aber solche elementaren Überlegungen passen nicht in den Thesenjournalismus der Rundschau.“

Der Beitrag endet denn auch mit einer Beleidigung an die Adresse von Rundschau-Moderator und -Autor: „Mörgelis Frage „Sind Sie vom Aff bisse?“ erübrigt sich. Es drängt sich eine neue auf: Nicht ob, sondern wie oft, Herren Brotz und Meschenmoser?“

Auf Twitter werfe ich der Blogbetreiberin Dani Brandt vor, der von ihr (oder wem auch immer) geschriebene Artikel sei unseriös. Wieso hat sie Einblick in Polizei- oder Chat-Protokolle? Hat wiederum ein Weltwoche-Autor (die offensichtlich ständig auf irgendwelche Geheimpapiere und vertrauliche Dokumente zugreifen können) den Artikel verfasst? Ich fordere Dani Brandt auf, ihr Zitat zu dokumentieren, so wie die Rundschau dies tat. Dani Brandt findet bloss, ich soll mir ein Hobby suchen…

Dani Brandt von etwasanderekritik.ch ist notabene Mitinitiantin der NoBillag Initiative. Diese hat zum Ziel, der SRG den Geldhahn zuzudrehen, versteckt dies aber hinter dem fadenscheinigen Vorwand, lediglich deren Inkasso (die Billag) abschaffen zu wollen. Auch ist sie mit Weltwoche-Autor Alex Baur aktiv als Naturfreundin für Atom-Strom. Diese natürlich freundliche Gruppierung schummelt sauberen, sicheren Atomstrom in ihr auf Egozentrismus basierendes, libertäres Weltbild. Tausende Opfer von Atomkatastrophen verschwinden da nullkommaplötzlich aus den Geschichtsbüchern. Die Schwindelattacken von Frau Brandt et.al. passen wie Schneckenschleim zu Barfuss-Sohlen.

.

Der Nationalrat als Schwerenöter

In der Arena vom 26.9.2014 meint der Nationalrat und Fuhrunternehmer Ulrich Giezendanner (SVP), ein Ausbau des Gotthard-Strassentunnels würde die Verkehrsicherheit erhöhen. Er wirft seiner Kontrahentin Evi Allemann (SP) vor, die Verkehrstoten im Tunnel seien für sie Menschen 2. Klasse und würden sie nicht interessieren. Allemann kontert, einen viel wirksameren Vorstoss zur Verkehrssicherheit hätte Giezendanner nicht unterstützt und im Nationalrat gegen Via sicura gestimmt. „Gehen sie schauen, ich habe dafür gestimmt. Unterstellen sie mir nicht etwas, das nicht stimmt, akzeptiere ich nicht„, bafft Giezendanner später in der Sendung (bei 44.06) äusserst forsch die sichtlich verduzte Allemann an. Wenige Clicks reichen, um Giezendanners Ausbruch als dreiste Lüge zu entlarven, was auf Twitter rasch die Runde macht.

.

.

Stosstrupp der Destabilisierung

Es fällt auf, wie penetrant gegen sogenannte Medien-Mainstream, gegen die classe politique oder ein sonstwie geartetes Establishment agiert wird. Man müsste meinen, die Agitation ginge von den Underdogs aus, von den VerliererInnen der Gesellschaft, den Habenichtsen. Aber nein, Attacken reiten die Milliardäre dieses Landes, die Manager, Jouristen, Politikerinnen und die mit ihnen verbandelten Journalisten und Bloggerinnen. Hauptziel ist es, Vertrauen in Institutionen, in den Staat und dessen Organe zu unterwandern, auch (vor allem?) das Vertrauen in das etablierte Mediensystem.

So gezielt die Akteure ihre Bestrebungen verfolgen, verschwörerische Organisationen sind das nicht. Es sind viel mehr die neuen Kommunikationsmedien, die Wissen und Unwissen ubiquitär verfügbar machen. Doch; gesichertes Wissen aus unleugbaren Quellen gibt es längst nicht mehr. Sprechen besteht wesentlich im Erheben von Geltungsansprüchen, sagt Habermas. „Wahre Sätze sind unbedingt wahr: Sie beziehen sich nicht auf die Gründe, die wir eventuell für sie haben, sondern auf etwas in der objektiven, d.h. unabhängig existierenden und für alle identischen Welt.“ (1)

Getrennt von (den Welt-) Ereignissen sind wir – wollen wir sie nur annähernd verstehen und beurteilen –  angewiesen auf deren Vermittlung via Informationsmedien. Wo das kommunikative Handeln von immer mehr Lebenswelten immer schneller angetrieben ist, wird es schier unmöglich, zwischen Wahrheit und Rechtfertigung zu unterscheiden, so dass der richtige Standpunkt ein Kontextualismus der Rechtfertigung, wenn nicht auch einer der Wahrheit ist.“ (1)

.

SchwaerwoodsMeinungsumschwung – Opportunismus eines Weltwoche-Journalisten

 

Wie wir sehen, ist die Beschreibung von Ereignissen oder Tatsachen in der kybernetischen Erzählung befreit von Kausalität. Bar jeglicher Stringenz können wir behaupten, was wir wollen, so lange es an die Erwartungshaltungen unserer Adressaten andockt und der Erzählstrom nicht versiegt. Die in Text-Fragmente gepackten Denkbilder flitzen an uns vorbei wie Werbebotschaften am Zugfenster. Es gibt kein Halten. Der Blick verliert, die Gedanken verirren sich. „Weshalb das Wissen, das im Cyberspace vorhanden ist, mit Kulturen oder Alltagssprachen wenig gemein hat: Es ist Selbstabbildung der Computertechnik in ihrer Macht, alle andere Medien zu integrieren.“ (2) Mittlerweile machen nicht mehr nur die da oben, was sie wollen. Wir machen auch, was die um uns herum von uns wollen. Schummeln, schwindeln, schwurbeln inklusive.

.

(1) Charles Larmore, „Der Zwang des besseren Arguments“ aus „Die Öffentlichkeit der Vernunft – die Vernunft der Öffentlichkeit“, Festschrift für Jürgen Habermas (Suhrkamp Wissenschaft)

(2) Friedrich A. Kittler in der FAZ vom 9.9.1995, zitiert aus „Kommunikation, Medien, Macht“ von Rudolf Maresch und Niels Werber

.

Advertisements