Verkleiden nannten wir das früher. Meist an der Fasnacht. In eine andere Rolle schlüpfen, eine expressive Hülle überstülpen, mit sich und der Welt kokettieren. Oft nutzen Fasnächtler die Larve um Obrigkeit zu kritisieren. Ob Schnitzelbängg oder Umzüge; zwischen allerlei Klamauk und Nonsens wird der Marsch geblasen. Da gibt’s handfest Schelte. Wenn auch verpackt in theatralische Maskerade.

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Personen erfinden – und den richtigen Ton, Luzern 1.3.2014

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In sozialen Medien rauscht der Maskenball. Endlos. Ob anonym oder pseudonym, da wird aus der Anna der Zorro, aus dem Hiltbrunner die Hofmeister und der blacky ist vielleicht der spirit. Wir verkleiden uns. Wir dürfen so sein, wie wir wirklich sind. Oder ein bisschen mehr davon. So, wie wir uns sonst nicht getrauen zu sein. Offen, verletzend, direkt, angriffig, spöttisch, klar, brüchig.

Gesichter-Maske. Schön geschminkt. Fein säuberlich. Oder grässlich – wie’s beliebt. Masken-Gesicht. Bloss nicht verlieren. Das Gesicht. Egal welches. „Wirklich ist nur das, worauf ich keinen Einfluss habe.“ (1)

Die Schöne ist das Biest, edel ist der Freak. Ich und Du, Müllers Kuh, Müllers Esel das bist Du. Das bist Du noch lange, lange nicht, sag mir erst wie alt Du bist. 1,2,3,4,5. 5 ist kein Wort und Du bist fort.

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(1) aus „Imitation – die echte Lust am Falschen“ von Bazon Brock (aus „Imitationen“, Museum für Gestaltung Zürich)

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EMPFEHLUNG

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Jetzt maskieren – Anonymität ist nicht das Problem

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