Für Medienministerin Leuthard war der Abstimmungssonntag ein Hitchcock. Ein paar Stunden später proben die Medien The Day After. Ein schauriger Tanz der Teufel bricht los. Die SRG als angebissenes Opfer gewinnt zwar haarscharf nach Punkten. Der Gegner drischt aber auch nach dem letzten Gongschlag auf den Taumelnden ein.

Der Furor des knapp Unterlegenen entlädt sich wie einst nach der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative. Ein erbärmliches Wundenlecken war das damals. Nun aber kosten die Unterlegenen vom Blut, das sie schon in ihren Werbeprospekten verspritzten. An zielgerichtet scharwenzelnde PolitikerInnen haben wir uns ja gewöhnt. So machte die Medienpolitikerin und Werbevermarkterin Natalie Rickli vehement und wochenlang gegen das neue Radio- und Fernsehgesetz Stimmung. Die Regierung täusche die Bevölkerung, die angekündigte Gebührensenkung sei ein Buebetrickli. Am Tag der Wahlniederlage aber meint auch sie, die Gebühren – exgüsi: die Mediensteuern – seien deutlich zu senken. Trotzig ruft sie dazu auf, die NoBillag-Initiative zu unterschreiben.

Schlimmer als derlei Schabernack sind Medienfreischärler, die freimütig ins Gemetzel eingreifen und den Politschützen erst noch die Knarren nachladen. Da ist von Tricksereien die Rede, von knallharter Ohrfeige und schliesslich der Primeur (sic!): „Auslandschweizer kippten Nein in ein Ja“. Gierig und im Rudel fallen die Konzernjournis über die Auswertung einer detaillierten Analyse her und verbreiten sie wie ein Lauffeuer. Ein demokratisches Verständnis im Vorreifestadium wird offenbar.

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ZurnbiEin Konzernjournalist analysiert Abstimmungsresultate

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Auf eine Abstimmug mit Zufallsergebnis – 1’128’369 Ja gegen 1’124’673 Nein – reagieren die Medienzombies und führen uns vor Augen, was News eigentlich sind: Ignoranz in der Form von Tatsachen, die ständig erneuert werden müssen, damit man es nicht merkt.“ (1) Was, wenn das Ergebnis umgekehrt ausgefallen wäre – 1’128’369 Nein gegen 1’124’673 Ja? Hätte der Agitautor der Basler Zeitung auch von der Verluderung der politischen Kultur geschrieben? Hätten ebenso die Auslandschweizer als Sündenböcke herhalten müssen? Wäre die Ohrfeige ein Würgegriff? Es spielt keine Rolle, ob Ja oder Nein – die Artikel wären dieselben.

In Ländern mit starkem öffentlichen Rundfunk sei das Vertrauen in den Journalismus am grössten. The Day After medialer Service public lässt erahnen, warum das tatsächlich so sein könnte. Im alltäglichen Infosee tummeln sich normalerweise Printmedien, Privatsender und die Service public Programme. Sie schwimmen im Schwarm, gleichmässig, mit einzelnen (wenn auch immer häufigeren) Ausreissern. Nicht so heute. Die SRG gleitet fast leblos dahin. Doch ihre Mitstreiter brechen aus, wenden sich ab. Journalisten und ihre (Qualitäts-) Erzeugnisse versinken im Bodenlosen. Es gib kein Halten mehr. Ein fauliger Vorgeschmack auf eine allfällige Post-Service-public-Ära breitet sich aus.

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(1) aus „Die Realität der Massenmedien“ von Niklas Luhmann

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