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Musikvideo

Schatten über uns

Mutter und Vater lassen das Kleinkind nicht aus den Augen. Jeden Laut, jede Regung nehmen sie wahr. Allmählich wagt sich das Kind aus der Obhut, bis es seine Freiheit erlangt. Doch bevor es soweit ist, übernehmen die Telekomanbieter, die Unternehmen und Ämter die Aufsicht. Sie empfangen meine Signale, wo immer ich auch bin.

Um und über uns Signale senden und empfangen (*)

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Azzuro mit viel Grau

Der Himmel im Süden war blau. Vor 40 Jahren. Um zwei Uhr nachts fahren wir los. Vater, Mutter, wir Kinder sitzen hinten im Wagen. Die Füsse auf dem zusammen gefalteten Zelt. Ferien am Meer. Über den Alpenpass, im Morgengrauen hinab durch die steinige, düstere Leventina. Stopp im kilometerlangen Stau in Chiasso. Dann überqueren wir die Grenze. Die Finger klebrig von verschütteter Limonade. Am Vormittag ist es schon warm. Wir steuern der Po-Ebene zu. Immer wärmer. In ein paar Stunden würden wir das Meer sehen. Zum ersten Mal erahne ich die Weite der Welt in diesem gigantischen Blau.

Ins Herz der Dinge 2*

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Schlaraffenland mit Schlachtfeld

Reichtum schafft Überfluss. Oder umgekehrt. Und ohne Überfluss (oder Reichtum) keine Wissenschaft, keine Kunst, keine Schlösser. Heisst es. Im Aargauer Seetal erfahren wir Überfluss, teils aus längst vergangenen Zeiten. Ein See voller Fische, Weinberge, Herrschaftshäuser, Schlösser und ein Schlachtfeld. Der Reichtum der Steuereintreiber von damals und jener der Steueroptimierer von heute, historische und alltägliche Kampfplätze inklusive…

Heimatfilm mit Schlössern, Villen und Gedanken über Reichtum

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Social Footage

Das Internet öffnet Schleusen zu Seelen. Seelen, die ich anhand von Fotos den Menschen rauben kann. Der Bildraub lässt mich ins Verborgene, ins Private eindringen! Fotos bei Facebook herunterzuladen ist dank einer neuen Funktion kein Problem – zumindest technisch. Kaum jemand überlegt sich jedoch, was rechtlich erlaubt ist. Wer Nackt-Bilder der Geliebten auf einer der zahllosen (wenn auch meist fingierten) „ex-gf“ Seiten hochlädt, foutiert sich um rechtliche Einschränkungen.

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web-footage-video mit Gesichtern aus Facebook-Profilen und Strassen von street view

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Zonenwechsel

Lauter Gegensätze. Die abgesperrte, tödliche Zone im russischen Film von 1979 und die Millionen von Menschen anziehende, Glück verheissende Vergnügungsstätte Las Vegas sind zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

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Eskapismus da, Selbstfindung dort

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merk-würdig

Bier. Hoolahoop. Fläschchen und Gläser auf  dem Tablett balancierend schlängelt sich der Kellner zwischen Stühlen und Tischen mir entgegen. Mit energischem Schwung greift er sich den Flaschenöffner und hebelt die Deckel von den Glashälsen. Klappern, Klirren, Schäumen. Strassen-Café in Süd-Euorpa.

Ich schau aus dem Vormittags-Schatten über meine halb ausgestreckten Beine zu den Flaneuren, den Shoppers und Schaulustigen. Stimmengewirr vermischt sich mit Radiomusikfetzen. Sicher würdig, mir das zu merken. Ich bin in einem Zustand zwischen Ruhe und Aufmerksamkeit. Neben mir und nebenbei läuft die Kamera. Sie sammelt ihre eigenen Eindrücke. Zufällig. Ausschnitte dessen, was ich sehe, schreibt sie auf Band. Die archivierten Daten montiere ich zu einem Bild, zeichne ein Video, ein audiovisuelles Stilleben.

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Ins Herz der Dinge I

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Roadmovie – Strassenfilm

Tausende Kilometer der Strasse entlang… durch Steppen, Täler, Steinwüsten. Herrliche Wüsten, leuchtende Täler, schimmernde Steppen. Überwältigend schön! Die Fahrt durch den Westen der USA ist eine Reise durch farbleuchtende Landschaften. Roadmovie – die Reise als Metapher. Schauen ist Erleben – im Herzen der Dinge.

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Filmreise

Ein Film von einer Reise in den Westen der USA. Ein Film über Wahrnehmung, Erinnern und das, was immer wieder dazwischen liegt…

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filmREISEfilm – eine elektroakustische Reportage

Den Blog-Post zur Reise mit ausführlichem Text findet ihr hier.

Bild, Ton, Text: cuirhomme, David Lynch, Final Cut Pro, Reaktor5, GarageBand, Sony

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Frühlingserwachen

November. Verschleiert.  „Seit Tagen ein unaufhörlicher Regen. Tiefe und trockene Traurigkeit.“ (*) Am liebsten hätte er die ganze Zeit  im Lehnstuhl verbracht, die Füsse nah beim glimmenden Ofenfeuer. Dösend. Bis der Rücken wieder zieht und das Hin- und Herdrehen die Verspannungen nicht mehr löst. Dezember. Ein paar Schritte dann. Auch um frischen Kaffee oder Tee aufzugiessen, um Holz nachzulegen oder im Bücherregal nach einem Band zu suchen.

Januar. Er kennt das seit Jahrzehnten, hat sich eingerichtet in seinem Winterschlaf. Von Jahr zu Jahr dauert das Erwachen länger. Es ist behaglich und passt sehr gut zu ihm, so wie er lebt. Februar.  „Alles, was mich – in mir und in den Menschen – hinabzieht.“ (*) Von Jahr zu Jahr dauert das Erwachen länger. März. 

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Frühlingsblüten und Sommergesichter  (*)

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Diesmal trug der Pflaumenbaum schon kleine, weisse Blüten. April. Der Mann stand am weiten Küchenfenster und bemerkte den Baum erst, als er nicht mehr zum Nachbarhaus hinüber sehen konnte. Mit dem Licht und der Wärme füllt sich die Welt vor seinem Fenster mit Leben. „Die weisse Rose des Morgens riecht nach Wasser und Pfeffer“. (*) Mai. Die Katze sitzt nicht mehr auf dem Sims, wartend, bis er ihr das Fenster öffnet. Sie kommt und geht durch die geöffnete Terrassentür. Der Ofen ist seit Wochen kalt.

Juni. Manchmal denkt er, dies wird sein letzter Sommer sein.

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(*)  aus „Tagebuch März 1951 – Dezember 1959“ von Albert Camus

(*)  Streetparade 1999 und Bäume im Garten, Frühling 2012. Video: cuirhomme

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Dangerous Dream

Teeny-Pop und Schlager – das war meine musikalische Welt in den frühen 70-er Jahren. Zutritt verschafften mir die ZDF-Hitparade, Samstag-Abend TV-Shows oder das Radio mit „Bestseller auf dem Plattenteller“. Als ich dann länger aufbleiben durfte, begann ich am späteren Abend den Jugendsender SWR3 zu hören. Statt „Rosen aus Rhodos“ oder „Sugar Baby Love“ lief da z.B. „3 A.M. at the Border of the Marsh From Okefenokee“.

Die elektronische Musik von Tangerine Dream war für mich eine Offenbarung. Über die unerhörten Klänge hinaus erfuhr ich, dass etwas ganz anders sein konnte als ich mir das je vorstellte.

40 Jahre später erlebe ich Tangerine Dream in einem Konzert. Anfang Mai 2012 spielte Edgar Froeses Band rund 3 Stunden lang im gut besuchten Kongresshaus Zürich.  Sie rollte den flauschigen Soundteppich aus.

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[youtube http://www.youtube.com/watch?v=zviksPzz25s&feature=plcp]

„Assoziative Reportage“  vom Tangerine Dream Konzert, 7.5.2012 (*)

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Die Tracks gehen ineinander über. Es gibt weder Ansagen noch andere Interaktionen – kaum Applaus. Das Set ist stellenweise hinreissend, teilweise auch beliebig und damit ermüdend. Aus hunderten verfügbaren Stücken hätte ich mir eine andere Auswahl gewünscht

. Weiterlesen „Dangerous Dream“

Zeitbilder

Über 3000 Mal bin ich diese Strecke entlang den Bewässerungskanälen gefahren, passierte den Bahnübergang neben dem alten Haus mit dem wilden Garten, kam aus der Sonne in den Nebel zu den neuen glänzenden Hochhäusern in der Stadt. Die halbe Stunde Bahnfahrt ist zugleich Erholungs- und Erlebniszone. Das kleine Pendlerglück.

Es ist das Glück jener, die sich in Lektüre vertiefen, mit Weggefährten plaudern oder den Blick aus dem Fenster zu den vorbei ziehenden Bilder schweifen lassen.

Es ist dieser Blick aus dem Fenster, den ich immer wieder mit der Kamera fest halte – seit über 40 Jahren.


[youtube http://www.youtube.com/watch?v=Hae18ccRJdo]

.Das Zeitbild – „visuell erfasste Ontologie“ (*)

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Zeitbild? Bewegungsbild? Gilles Deleuze oder Henri Bergson habe ich nicht verstanden, werde es aber weiterhin versuchen. „Durch die Bewegung teilt sich das Ganze in die Objekte, vereinigen sich die Objekte im Ganzen, und genau zwischen den beiden verändert sich alles.“ (Gilles Deleuze, „Das Bewegungsbild Kino1“).

Noch lieber aber filme ich weitere 40 Jahre meine Ausblick-Fahrten. „Mit der geschärften Witterung des Grossstädters durchschreite ich den Trubel, während das Hirn leicht und präzis die Überfülle wechselnder Bilder zerschrotet“ (Ernst Jünger).

Statt sie zu zermalmen werde ich die Bilder  zu Sequenzen montieren. Nachdenken in Bildern.

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Aufnahmen: Sardinien, Kos, Genua, Russikon, Wil SG, Seedamm, Mailand, Cinque Terre, Venedig, Walenstadt….

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Land am Rand

Anfang Oktober unternahm ich eine zweiwöchige Ferienreise nach Portugal. Portugal gehört zu den südlichen Euro-Ländern, die von der andauernden Wirtschaftskrise besonders betroffen sind. Für den Zeitraum meines Aufenthalts war ein Generalstreik angekündigt als Reaktion auf die von der portugiesischen Regierung angekündigten Sparmassnahmen.

Vor diesem Hintergrund in aller Ruhe Ferien zu verbringen, kam für mich nicht in Frage. Zumindest wollte  ich nicht einfach so tun, als wäre das Land nicht in einer besonders schwierigen Lage. Die Kamera half mir, das immer wieder zu vergegenwärtigen.

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Anmerkung

In der Anfangssequenz ist zu sehen, wie eine Frau den Rock über das Knie hoch zieht und sich nieder kauert, um eine Pfanne aus dem Küchenschrank zu ziehen (bei 01.24). Sie setzt sich NICHT auf die Toilette, wie das einige Nutzer zu sehen glaubten. Ich habe mir lange überlegt, ob ich das Bild aus dem Film schneiden soll. Das Thema des Filmes ist jedoch zu einem wesentlichen Teil der Voyeurismus. Deshalb beginne ich mit dem Blick in die fremden Wohnungen und schneide danach zur Sicht aus dem Fenster der Trambahn – der touristischen Sicht des Stadtrundfahrers schlechthin. Nicht nur weil ich mit diesem Voyeurismus kokettieren will, lasse ich das Bild im Beitrag. Ich finde auch den Effekt interessant, dass durch die Verminderung der Auflösung im Internet ein Bild falsch gelesen wird und durch ein nicht bedachtes Element eine völlige neue Bedeutung erhält. Die Möglichkeit bleibe euch erhalten, die eigene Wahrnehmung zu überprüfen.

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The Farm

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Eine Farm im Süden Portugals. Ein weiteres  Stück aus der Rubrik Fahren + Filmen.

See-chedelic S-Bahn

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Früher Abend, später Oktober. Zauber einer Bahnfahrt dem See entlang.

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